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Karaoke mit dem Kommissar

Karaoke mit dem Kommissar

Vor zehn Jahren ist Österreichs Pop-Export Nummer eins, Falco, gestorben: Die "Rock me Amadeus"-Show hat in der Europahalle Trier daran erinnert, dass der Falke weit mehr ist als nur eine Fußnote in der Popgeschichte.

Trier. Es ist ziemlich genau zwanzig Jahre her, da sank der große Falco zu Boden. Drei Jahre nach dem Welt-Erfolg mit "Rock me Amadeus", zwei Jahre nach "Jeanny", der Aufregung und dem Trubel. Die Platte "Wiener Blut" floppt. Die geplante Europatournee fällt fast komplett aus. Kein Interesse, ist doch total out, der Falke. Die Dekadenz, this strange Englisch-Deutsch-Mischmasch, der Rap, achje. Zehn Jahre später - in der Karriere ging es zwischenzeitlich wieder aufwärts - stirbt Falco nach einem Auto-Unfall in der Dominikanischen Republik, im Februar 1998. Jetzt sind wieder zehn Jahre rum. Der Mensch auf der Bühne in der Europahalle, der gerade "Vienna Calling" singt, während hinter ihm vier junge Damen mit orangenen 80er-Jahre-Telefonen in der Hand tanzen, hat Ähnlichkeit mit Falco. Schwarzer Anzug, schwarze Fliege, weißes Hemd. Die Haare akkurat mit Gel gezähmt, dazu eine breite schwarze Sonnenbrille. Da schließt das Gehirn schnell auf Falco. Dem Mann auf der Bühne, Michael Patrick Simoner (41), geht es um Authenzität, sagt er. Als Fan der ersten Stunde, seit den späten Siebzigern. Keiner, der sich je abgewendet hätte, auch nicht bei "Wiener Blut". Nach eigener Auskunft wurde er von Falcos mittlerweile hochbetagter Mutter ermuntert, mit der "Rock me Amadeus"-Show auf Tour zu gehen. Um zu zeigen, was Johann Hölzel - Falcos bürgerlicher Name - musikalisch hinterlassen hat. Das ist einiges: Das Spektrum vom "Kommissar" über "Junge Römer" bis "Out of the Dark" ist breit, der Spannungsbogen der Show stimmt, die Tanz-Choreographien sind unterhaltsam. Aber es dauert einige Zeit, um mit der Simoner-Falco-Show richtig warm zu werden: Nicht nur, weil sich bei Simoner gelegentlich gesangliche Schwächen einschleichen. Neben dem offensiven Animateurs-Gestus und dem kleineren Pathos-Anflug (mit Ansagen Richtung Himmel) stört, dass keine Liveband spielt. Simoner singt zum Musik-Playback, eine Karaoke-Show. Mal auf passablem, mal auf hohem Niveau. Auf einen gemeinsamen Nenner werden sich Fans und Kritiker der Show einigen können: Sehr schade, dass Falco so früh gestorben ist. Schnell-Check Rock Me Amadeus (Falco-Show) Ort: Europahalle Trier Zuschauer: 400 Kartenpreis: ab 26 Euro (Sitzplatz) Show: 120 Minuten Resonanz: Der Großteil des Publikums ist nach verhaltenem Beginn am Ende durchaus angetan. (AF)