| 17:00 Uhr

Trier
Karl Marx: aktuell oder kann der weg?

Der eingehauste Karl Marx in Chemnitz.
Der eingehauste Karl Marx in Chemnitz. FOTO: TV / Eva-Maria Reuther
Trier. Ein pfiffiges Projekt dokumentiert als „Karl-Marx II“ die Trierer Galerie Junge Kunst im Rahmen ihrer Karl-Marx-Reihe in Kooperation mit der Neuen Sächsischen Galerie in Chemnitz. Sein oder Nichtsein ist darin für Karl Marx die Frage. Von Eva-Maria Reuther

Angefangen hatte alles mit einer Bitte aus Münster um die Ausleihe der riesigen Karl-Marx-Porträt-Büste auf der ehemaligen Chemnitzer Karl-Marx-Allee (heute Brückenstraße) für die „Skulptur-Projekte Münster 07“. Die Sache erledigte sich. Die Frage hingegen blieb aktuell: Kann das 40 Tonnen schwere und 13 Meter hohe Monument, das einst als Wahrzeichen der sozialistischen Musterstadt errichtet worden war, die sogar nach dem Dargestellten hieß, nicht grundsätzlich weg? Jetzt, wo Chemnitz wieder Chemnitz hieß und sich der realexistierende Sozialismus, der sich auf den Vater des Kapitals berief, erledigt hatte. Sollten es doch die Bürger zum 200. Geburtstag des Philosophen entscheiden. In einer Kooperation mit der Kunstuniversität Linz und der „Angewandten Kunst“ Schneeberg startete die Neue Sächsische Galerie ein interessantes Projekt, das Klarheit in die Sache bringen sollte. Kurzerhand ließ man das Monument im „Temporary Museum of modern Marx“ (eine Anspielung auf das New Yorker MOMA) verschwinden. Im Klartext: der über sieben Meter hohe Kopf plus Sockel wurde in einem eigens errichteten Kubus aus Planen „eingehaust“, der symbolträchtig eine leichte Schieflage hatte. Im Innenraum wurde eine Galerie errichtet, von der aus Besucher ihrem Wahrzeichen in die Augen sehen und es aus ganz neuer Perspektive betrachten konnten. Nach dem Motto „Alles muss raus“ starteten die Veranstalter zudem einen Aufruf „Gebt uns Euer Kapital“. Gemeint war nicht das bürgerliche Vermögen, sondern Marx zentrales Werk. Tatsächlich wurden zahlreiche Bücher abgegeben. Während der Wochen der Einhausung fanden im Kubus Diskussionen und allerhand Veranstaltungen zum Thema statt. Ende der Geschichte: Die Chemnitzer trugen ihrem Karl Marx nichts nach und wollten ihn behalten. Enthüllt steht er weiterhin am alten Platz. Im Rahmen ihrer Karl-Marx-Reihe zeigt die Junge Kunst Trier als zweite Ausstellung die Dokumentation des Projekts. Mit Hilfe eines Audio Guides können Besucher zudem Kommentare von Bürgern und Besuchern zur Aktion hören.

Bis 6. Oktober, Samstag und Sonntag
14-17 Uhr sowie nach telefonischer Vereinbarung, 0651 / 976 38 40, als Schaufenster-Galerie täglich.