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Karl Marx wird 200 - und alle feiern mit

Trier. Rheinland-Pfalz ist ein Land der Dichter und Denker, Karl Marx ist sein einflussreichster Gelehrter - mit diesen Worten kündigt Ministerpräsidentin Malu Dreyer das Marx-Jahr 2018 an. Dessen offizieller Startschuss fiel gestern mit der feierlichen Unterzeichnung einer Kooperationsvereinbarung. Jörg Pistorius

Trier. Karl Marx als Leitfigur einer Serie von Ausstellungen und Veranstaltungen, eingebettet in einen positiven Kontext: Das wäre vor wenigen Jahrzehnten noch völlig unvorstellbar gewesen. Als Vater des Sozialismus und Kommunismus geltend stand der Philosoph und Gesellschaftstheoretiker lange auf der Liste der historischen Persönlichkeiten, die man zwar kennt, sich aber nicht unbedingt von Herzen freut über ihr Leben und Werk.
Das alles ist Vergangenheit. Der 5. Mai 2018 ist Marx\' 200. Geburtstag. Seine Heimatstadt Trier und das Land Rheinland-Pfalz bereiten für dieses Jubiläumsjahr ein gewaltiges Programm vor, dessen Grundlage eine gestern im Trierer Karl-Marx-Haus feierlich unterzeichnete Kooperationsvereinbarung zwischen dem Land Rheinland-Pfalz, der Stadt Trier, dem Bistum Trier und der Friedrich-Ebert-Stiftung ist.Starker Magnet für Besucher


Marx als Positivfaktor, dessen Leben und Theorien Zehntausende anziehen - dieses Bild ist bereits Alltag in Trier. Mehr als 40 000 Menschen besuchen pro Jahr das seit 1968 von der Friedrich-Ebert-Stiftung geführte Karl-Marx-Haus in der Brückenstraße, darunter 10 000 Chinesen. Das Jubiläumsprogramm, dessen Kern eine auf zwei Standorte verteilte Ausstellung bilden wird (siehe Extra), soll diese Anziehungskraft enorm verstärken.
Die historische Einordnung des Menschen und Denkers sei dabei von entscheidender Bedeutung, betonte Ministerpräsidentin Malu Dreyer in Trier. "Karl Marx gehört ins 19. Jahrhundert. Die aus seiner Lehre abgeleiteten ideologischen Schlachten des 20. Jahrhunderts sollen weder die Ausstellung noch die Begegnung mit der Person Marx prägen." Sein Werk sei durch spätere Ereignisse oft verzerrt worden. "Wir werden ihn davon befreien und im Kontext seiner Zeit zeigen."
Zusammen mit Dreyer unterzeichnete auch ihr Vorgänger Kurt Beck die Kooperationsvereinbarung. Der frühere Ministerpräsident ist der Vorsitzende der Friedrich-Ebert-Stiftung. "Die Dauerausstellung im Karl-Marx-Haus wird für das Jubiläumsjahr aktualisiert", kündigte Beck an. "Wir haben bereits Objekte erworben, darunter unveröffentlichte Briefe und Schriften."
Die größte Distanz zu den Marx\'schen Theorien hat zweifellos die katholische Kirche. Dennoch hat Monsignore Michael Kneip die Vereinbarung im Namen des Bistums Trier ebenfalls unterschrieben. "Die katholische Soziallehre hat ihre eigene Sozialanalyse von Anfang an wesentlich als Gegenentwurf zu den Vorstellungen von Marx entfaltet", räumte der kirchliche Würdenträger ein. Marx war der große Gegner. "Es ist keine Liebesgeschichte, aber dennoch gibt es Brücken und eine Basis des Respekts." "Trier wird sich als Geburtsstadt von Karl Marx profilieren, 2018 wird ein großes Jahr", betonte Oberbürgermeister Klaus Jensen. "Wir gehen offensiv mit ihm um und stehen zu ihm, ohne mit allen Aussagen und Zielen konform gehen zu müssen."
Landeskulturministerin Vera Reiß kündigte schließlich an, wie es weitergeht: "Ab sofort wird geschuftet."Extra

Die Karl-Marx-Ausstellung: Das Rheinische Landesmuseum Trier wird auf 1500 Quadratmetern Marx im Zentrum eines Epochenbildes zeigen. Das Stadtmuseum Simeonstift soll auf 500 Quadratmetern unter dem Arbeitstitel "Generation Marx" Trier und die Region beleuchten. Die Kosten von 5,6 Millionen Euro werden zu 75 Prozent vom Land und zu 25 Prozent von der Stadt getragen. Das Museum am Dom wird das Bild des 19. Jahrhunderts aus einer christlich-sozialen Perspektive zeigen. Ein kulturelles und wissenschaftliches Programm mit Partnern wie der Tufa, dem Theater und der Uni Trier wird die Ausstellung umrahmen. jp