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Kaum Platz für Konventionen beim Trierer Dom-Orgelkonzert

Vorführung : Kaum Platz für Konventionen beim Trierer Dom-Orgelkonzert

Hans-Ola Ericsson stellt im Dom „Volumina“ von György Ligeti in den Mittelpunkt der Vorführung.

So ganz lässt es sich nicht nachvollziehen. Warum hat Hans-Ola Ericsson sein Trierer Dom-Orgelkonzert mit dem Te Deum für Orgel von Péteris Vasks eröffnet? Es ist eine geschickte Komposition, die eine Vielfalt von Stilen und Techniken integriert: Improvisation, Fuge, Cantus-firmus-Bearbeitung, vollstimmige Abschnitte. Und doch bleibt sie konventionell und stellenweise plakativ. Und unterscheidet sich auffällig vom übrigen Programm.

Und da zeigte sich rasch: Hans-Ola Ericsson ist überhaupt kein Interpret, der die Konvention liebt. Er sucht und findet in den Kompositionen des Abends gerade das, was sich nicht ohne weiteres einordnen will, was nicht in Schemata passt. Den Werken von Buxtehude und Georg Muffat gibt er echte Individualität mit, unterscheidet deutlich zwischen norddeutschem (Buxtehude) und süddeutschem Klang (Muffat), entdeckt bei beiden Komponisten die Kraft der Formgebung und den Ideenreichtum der Erfindung – und bei Muffats bedeutender Passacaglia auch den weiten Atem über alle Variationen hinweg. César Francks „Grand Pièce symphonique“ entwickelt unter seinen Händen ein wahrhaft sinfonisches Gewicht.

Was bunt und regellos erscheinen könnte, wird bei ihm zu einem großen, geschlossenen Ganzen. Und wie viel Eigenständigkeit, wie viel unkonventionelle Harmonien, welch einfallsreiche Melodik entfaltet Ericsson in seiner „Improvisation zur Feuersäule“! Feuersäule, das ist eine leuchtend rote Tuch-Installation in der Pfarrkirche von Oppenheim am Rhein, in der Ericsson ebenfalls auftritt.

Mittelpunkt des Konzerts indes war György Ligetis Cluster-Komposition „Volumina“ von 1962. Bei Ericsson hat diese Musik auch 50 Jahre danach nichts verloren von ihrer Klangsinnlichkeit, ihrer Frische, ihrer provokativen Energie und ihren subtilen Details. Er zeichnet nach, was an den „Volumina“ so fasziniert – dass im Inneren der Klänge ganz unauffällig Melodien entstehen, nach außen drängen und am Ende den anfangs einheitlichen Klang in wuchtige Fragmente spalten. Und aus dem Abstand von fünf Jahrzehnten fällt auf, wie einfallsreich Ligeti mit Clustern (Tontrauben) und melodischen Linien arbeitet, wie er die Wiederholungen meidet und das Werk konsequent und bruchlos bis zum Abschluss in höchsten Tonhöhen weiterentwickelt.

Nicht alle waren mit der Komposition einverstanden, einige wenige unter den knapp 200 Besuchern gingen vorzeitig. Aber es war doch die große Mehrheit, die am Ende entschieden dem Interpreten applaudierte – und mittelbar auch dem Werk.