1. Region
  2. Kultur

Keck und befremdlich

Keck und befremdlich

Trier. (gkl) Kein Zweifel, die Welschnonnenkirche in der Flandernstraße etabliert sich immer mehr zu einem viel beachteten Konzertraum. Günstige akustische Verhältnisse und ein sehr ansprechendes Ambiente sind es, von dem auch das Consortium musicale Trier schon zum wiederholten Male profitieren konnte.

Die Geigerin Quyen Schmid, Franz Brixius (Viola), Ulrich Schwarz (Cello), die Flötistin Marianne Collet-Stier und der Fagottist Klaus Risch bilden die Stammbesetzung dieses Ensembles. Es hat sich zur Aufgabe gemacht, Werken der Wiener Klassik und der Romantik für Streicher und Zusatzinstrumenten eine Plattform zu geben. Den Auftakt gestaltete die reine Streicherbesetzung mit Adagio und Fuge in d-Moll, KV 404a, die Wolfgang Amadeus Mozart nach einer Vorlage von Johann Sebastian Bach verfasst hat. Etwas schwerfälliger Einstieg in die Fuge

Sauberkeit in hohem Maß muss man den Musikern bescheinigen, und lediglich die Tatsache, dass die Fuge doch ein zu schwerfällig geriet, minderte ein wenig den positiven Einstieg in das Konzert. Anders sah es bei Luigi Boccherinis Trio in D-Dur, Opus 14, aus. Hier spiegelten sich Schwung und Begeisterung, das Andantino kam gar recht keck daher. Nicht übermütig, aber gelöst und mit großer Spielfreude interpretierten die Musiker, jetzt durch Fagott verstärkt, das Quartett B-Dur, Opus 36, von Justus Dotzauer. Wenngleich das Blasinstrument schon von seiner Tonfärbung her etwas im Vordergrund stand, so bemühte sich das Quartett, und insbesondere Risch, erfolgreich, die vom Komponisten gewollte Gleichberechtigung aller Stimmen zu demonstrieren. Zwei kammermusikalische Leckerbissen der besonderen Art hatte das Consortium für die Abrundung des Programmes parat.Roussel fordert Aufmerksamkeit

Zunächst erklang von Albert Roussel das Trio für Flöte, Viola und Cello. Nach dem eleganten Mozart war dieses Opus 40 aus dem Jahre 1929 etwas befremdlich, was durchaus nicht negativ gemeint ist, und man eine gewisse Absicht unterstellen kann. Roussel schmiegte sich nicht so rasch ins Ohr, er forderte im Gegenteil die Aufmerksamkeit des Zuhörers bis zur letzten Note, legte sich quer, wenn die Zuhörer meinten, schon zu wissen, was jetzt käme. Ein Werk, das in seiner Ausgestaltung Collet-Stier, Brixius und Schwarz beinahe auf den Leib geschneidert war. Für den Abschluss des Abends gesellte sich zu diesem Trio noch der Gitarrist Matthias Lamberty für das kaum bekannte Quartett, D 96, von Franz Schubert. Der Applaus ist das Brot des Künstlers, wie man weiß. Eine größere Gruppe von Kindern, die den Abend besuchten, meinte es damit aber ein wenig zu gut und applaudierte begeistert nach jedem Satz, was den inneren Ablauf des Werkes, die Spannung so nachhaltig störte, dass die Musiker bei zwei Sätzen gar einen zweiten Anlauf brauchten. Das war einerseits natürlich schade, ist andererseits der Preis, den man dafür zahlen muss, dass der Nachwuchs an die klassische Musik herangeführt wird. Ein Preis, den man aber trotzdem gerne zahlen sollte.