Kein bisschen unpolitisch

Kein bisschen unpolitisch

Unpolitisch ist dieser Notenband mit 70 Kompositionen für Chor ganz bestimmt nicht. "Da Pacem - Frieden" heißt er, seine Texte erinnern an die schlimmen Kriege in der Welt und die Sehnsucht der Menschen nach dem Ende der blutigen Konflikte. Triers Ex-Domkapellmeister Klaus Fischbach hat die Stücke der Sammlung ausgewählt.

Trier. Sage niemand, für Klaus Fischbach sei der Ruhestand die berufliche Endstation. Er ist aktiv wie eh und je. Seit der Trierer Domkapellmeister nach 27 Jahren im Jahr 2000 aus dem Dienst ausschied, hat sich sein musikalisches Arbeitsfeld noch vergrößert, hat an Tiefe und Reichhaltigkeit gewonnen. Eine "Trierer St. Peter Messe" hat er fast abgeschlossen, ursprünglich auf einen heimischen Mundart-Text als "St. Pittermess". "Eine Anti-Pegida-Komposition habe ich auch geschrieben", sagt er und lächelt dazu hintergründig. Es ist ein Satz auf ein Lied aus dem neuen Gotteslob "Damit aus Fremden Freunde werden".Sorgsam ausgewählt


Auch seine aktuelle Veröffentlichung ist keineswegs unpolitisch. Unter dem Titel "Da Pacem - Frieden" hat Fischbach einen Sammelband mit 70 Motetten, Chorälen und Chorliedern herausgegeben - Friedensbitten und Danklieder. Er hat die Stücke sorgsam ausgewählt, einige behutsam für die Praxis eingerichtet und in Abstimmung mit einem Lektor des Mainzer Schott-Verlags auch neueste Musik berücksichtigt. Die Geburtsjahre sprechen für sich: Dennis Mayer beispielsweise, Jahrgang 1988, mit einem "Et in terra pax". Oder Magdalena Zimmermann, Jahrgang 1985, mit Motetten auf Friedenstexte von Franz von Sales und Hölderlin. Konfessionelle Scheuklappen kennt der Herausgeber nicht: Mit insgesamt 16 Texten ist in diesem Band der evangelische Reformator Martin Luther der bei weitem meistvertonte Autor.Fokus auf Trierer Kirchenmusik


Dabei ist das Stil-Spektrum der Motetten breit und doch klar definiert. Mittelalterliche Mehrstimmigkeit, die nur für Spezialensembles realisierbar wäre, hat Fischbach ausgeschlossen, ebenso billige Jazz- oder Pop-Versionen. Unauffälliger Schwerpunkt der Sammlung ist die wertvolle Trierer Kirchenmusik-Tradition. Die Domkapellmeister Wilhelm Stockhausen (1872-1951) und sein Nachfolger Johannes Klassen (1904-1957) sind mit Kompositionen dabei, ein Werk stammt von Hermann Schroeder, der kurzzeitig Domorganist in Trier war und später zum angesehenen Komponisten aufstieg. Und Fischbach hat auch an jüngere Komponisten aus dem Bistum gedacht wie Thomas Gabriel, Wolfgang Trost oder seinen Sohn, den früh verstorbenen Klaus-Ewald Fischbach (1958-2008). Dass er auch zwei eigene Werke in seine Sammlung aufnahm, ist nur konsequent; er hat der Trierer Kirchenmusik-Tradition über Jahrzehnte hinweg nachhaltige Impulse gegeben.Für geschulte Sänger


Klar: Der Schwierigkeitsgrad in den 70 Motetten ist unterschiedlich. Simpel indes ist keine, und manche Kompositionen wie die von Josquin oder moderner Zeitgenossen wie Arvo Pärt, Dimitri Terzakis oder Enjott Schneider verlangen den geschulten Chor. Auch darin spiegelt sich eine Intention des Herausgebers: "Es ist Musik für qualifizierte Chöre."
Und die für ihn persönlich schönsten Kompositionen? Da ist es doch vor allem die Alte Musik, die ihn besonders berührt: Das subtile sechsstimmige "Dona nobis pacem" von Josquin Desprez (1460-1521). Oder Orlando di Lassos (1532-1594) herrlicher Messesatz auf denselben Text. Und vielleicht auch das ergänzte "Da Pacem"-Fragment von Gesualdo Da Venosa (1560-1613) - dem "Fürst der Madrigalisten". mö

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