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Keine Angst vor neuen Tönen

Keine Angst vor neuen Tönen

TRIER. Das 4. Kammerkonzert im Forum war eine zumindest für Trier nicht alltägliche Matinee. Musik vom Feinsten aus dem 20. Jahrhundert boten Mitglieder des Philharmonischen Orchesters, unterstützt von einigen Jazz-Musikern.

Schummrig-intime Beleuchtung wie in einem Nachtclub, das Publikum sitzt um den Kreis der Musiker herum: Schon das Ambiente zeigte, dass man sich auf etwas Außergewöhnliches gefasst machen durfte. Mit rund 100 Zuhörern war der Raum erfreulich gut besetzt. Daniel Poschta eröffnete die Matinee mit dem 1972 geschriebenen "Nunc" für Gitarre solo von Goffredo Petrassi. Das lyrische, sinnliche und mystische Werk verwendet Schönbergs Zwölftontechnik, durchbricht sie aber immer wieder. Ein guter Einstieg, der dem Nicht-Eingeweihten etwaige Berührungsängste genommen haben dürfte. Dass Johann Sebastian Bachs Musik swingt, haben Jacques Loussier und die Swingle Singers bewiesen. Ortwin Feils Bearbeitung der Nr. 25 aus den Goldberg-Variationen beginnt mit akustischer Gitarre und mündet dann in Jazz-Improvisationen für Streichquartett, Kontrabass, Schlagzeug (gespielt von Feil selbst) und Solisten. Überaus virtuos, was Dany Schwickerath aus seiner elektrischen Gitarre und Robby Glod aus seinem Saxofon heraus holen. Mauricio Kagel kann seine argentinische Herkunft nicht verleugnen, obwohl er seit 1957 in Köln lebt. "Aus dem Nachlass" für Bratsche, Cello und Kontrabass könnte man als eine Suite in zehn Sätzen bezeichnen, wobei der 6. Satz mit seiner sich wiederholenden Bassfigur an eine Passacaglia erinnert. Lateinamerikanisch klingt vor allem der 8. Satz. Nach der Pause spielte Christoph Riemenschneider zunächst "Density 21,5" für Flöte solo von Edgar Varèse, und dann folgte das in den späten 1950er-Jahren entstandene "4´33´´" für Viola und Akkordeon (Daniel Poschta, Theo van der Poel) von John Cage. Der 1992 gestorbene Amerikaner ließ sich nie in eine stilistische Schublade zwängen. Aber wie bei allen gehörten Werken lässt sich auch hier eine klare Form erkennen: ein etwas an Bach erinnernder Satz in gemäßigtem Tempo, ein langsamer Satz und ein schnelles, drängendes Finale. "Octandre" für sieben Solo-Blasinstrumente und Kontrabass ist von der für Edgar Varèse typischen Intensität. Schräg: Orgelwerk von Olivier Messiaen

Durchaus melodische Passagen münden unvermittelt in schrille, dissonante Tutti-Klangblöcke. Die Musiker ließen sich bei diesem recht vertrackten Stück von Michael Corde dirigieren. Was wohl der wie Cage 1992 gestorbene Olivier Messiaen zur Verjazzung eines seiner Orgelwerke gesagt hätte? In den von Ortwin Feil arrangierten "Dessins Eternelles" aus "La Nativité du Signeur" glänzten wieder Dany Schwickerath, E-Gitarre, und Robby Glod, Saxofon. Aber auch die übrigen Solobläser, der Kontrabassist und der Schlagzeuger konnten sich hören lassen. Kein Zweifel, moderne Musik ist im Live-Konzert viel eingängiger als im Hörfunk oder von der CD. Vor allem dann, wenn man mit so viel Engagement, Virtuosität und Musizierfreude an sie heran geht.