Keine Hochzeit ohne Mick

Keine Hochzeit ohne Mick

LOSHEIM. Image ist nichts: Für viele bleibt Sänger Laith Al-Deen dank seines Hits "Bilder von dir" für immer der Schmuse-Barde. Kein leichtes Schicksal für einen Ex-Metaller, der auch heute noch rockt. Am Freitag, 25. August, gastiert der 34-Jährige neben Simply Red und Stefan Gwildis beim "Abend am See"-Festival in Losheim.

Irgendwo in Mannheim, Ende der 80er-Jahre. Ein langhaariger Metal-Fan schraddelt die fast auf Kniehöhe baumelnde E-Gitarre. Er träumt von der großen Bühne. Von gemeinsamen Auftritten mit Metallica oder Iron Maiden. Weniger von großen Open Airs mit Simply Red. Eineinhalb Jahrzehnte später ist der Bühnen-Traum für Laith Al-Deen wahr geworden. Irgendwie zumindest. Der mittlerweile 34-Jährige zählt zu den bekanntesten deutschen Sängern. Manchmal wundert er sich, wie sich die Dinge entwickelten. "Es ist nicht das Angenehmste, wenn du von der großen Rockbühne träumst und beim Aufwachen nur noch als der ,Schmusepapst' betitelt wirst", sagt Al-Deen im TV-Interview. Vor seinem Hit "Bilder von dir" konnte er nicht wissen, wie selten die geistigen Schubladen bei Musik-Journalisten entrümpelt werden. Sechs Jahre ist das her. Aber der Schmuse-Makel haftet weiter an ihm. Oder das des Soulsängers, der auf deutsch monothematisch über Liebe doziert. Dabei hat der Sohn eines Irakers und einer Deutschen längst andere Themen entdeckt. Hat Rilke-Texte vertont. Mit den Bandkollegen rockt er auch mal. Dem Pop steht er näher als dem Soul. Und im Auto entspannt Al-Deen bei Lounge-Musik ebenso gut wie bei Metallicas "Master of Puppets" ("Da lässt sich gut reflektieren".) "Rock hat nichts mehr mit Revolution zu tun"

"Ich mache meinen Stiefel", sagt der Sänger, für den die deutsche Sprache ein tolles Mittel ist, Botschaften zu transportieren. Aber er sieht auch die Schattenseite, dass die Leute zu stark auf den Text achten: "Du kannst reines Fantasie-Englisch singen, ohne dass es jemandem auffällt. Es gibt bei den deutschen Sachen immer noch nicht den Status des klassischen Nebenbei-Hörens - das ist schade." Allüren kennt der "bekennende Mannheimer Lokalpatriot" trotz seines Erfolgs nicht. Aus der Quadratestadt wegzuziehen? Das kam ihm bisher nicht in den Sinn. Oft sieht sein Tag so aus: Morgens fährt er ins Studio nach Frankfurt, abends geht es wieder zurück. Wer glaubte, Pop-Geschäft und geregelte Arbeitszeiten seien ein Widerspruch - Al-Deen ist das Gegenbeispiel. Seine Erfahrung: "Rock hat nichts mehr mit Revolution zu tun. Es gibt auch keine Generation mehr, die sich gemeinsam gegen etwas auflehnt. Die professionellsten Musiker, die ich kenne, sind gleichzeitig die ruhigsten." Für Al-Deen war schon nach dem Abitur klar, dass sein Arbeitsplatz die Bühne sein sollte. So hat er ein besonderes Verhältnis zu den Engländern von Simply Red, mit denen er beim "Abend am See"-Festival in Losheim spielen wird: "Ich habe lange Zeit viele Simply-Red-Nummern spielen müssen", erinnert sich Al-Deen: "Auf Hochzeiten und Straßenfesten!" Diesmal wird Simply-Red-Sänger Mick Hucknall zum ersten Mal auf der gleichen Bühne spielen. "Das ist uns eine Ehre", sagt Al-Deen. Für die Zuschauer gibt es von ihm ein "Best of" zu hören: "Das letzte Album ist schon ein Jahr alt. So werden wir das Beste von unseren vier Alben spielen."