Keine Panik in Trier

Keine Panik in Trier

MAINZ/TRIER. Hinter den Kulissen wird die Diskussion um die geplante Neuordnung des Landesdenkmalschutzes und der Landesmuseen heftiger. Wenn das Mainzer Kabinett die Reform demnächst auf den Weg bringt, ist auch das Rheinische Landesmuseum in Trier betroffen.

Es war kein leichter Gang für den Staatssekretär. Mitte September, der Landesdenkmaltag war gerade vorbei, musste Joachim Hofmann-Göttig beim Rheinland-Pfälzischen Denkmalpflegebeirat antreten, um das Konzept der Landesregierung zur Reform der Landesmuseen und des Amtes für Denkmalpflege vorzustellen. Dem Vertreter von Kulturminister Zöllner sei "blanke Skepsis" entgegengeschlagen, berichten Teilnehmer. Offizielle Informationen über die Sitzung mit den Ober-Denkmalschützern sind schwieriger zu erhalten als ein Protokoll der Parlamentarischen Kontrollkommission für die Geheimdienste. Es habe sich nur um eine "informelle Vorab-Konsultation" gehandelt, für die man "Vertraulichkeit vereinbart" habe, sagt Hofmann-Göttig. "Kein Kommentar", betont auch die Vorsitzende des Gremiums, Mathilde Grünewald. Freilich braucht man keine Stellungnahmen zur Sitzung, um die gegensätzlichen Standpunkte zu skizzieren. Die Positionen liegen schon länger offen auf dem Tisch. Das Land will (der TV berichtete) das Landesamt für Denkmalpflege, die drei Landesmuseen Trier, Mainz und Koblenz, die Organisationseinheit Burgen, Schlösser, Altertümer sowie längerfristig auch das Landeshauptarchiv in einem "Landesamt Kulturelles Erbe" unter Leitung eines Chef-Koordinators zusammenfassen. Mainz erhofft sich von der Reform mehr Effizienz, sinnvollere Arbeitsteilung und bessere Koordination - bei weniger Kosten. Manche Denkmalschützer wittern eine Abwertung ihres Metiers. "Kompetenz ist nicht mehr erwünscht", kritisiert Mathilde Grünewald. Statt selbstständiger Behördenchefs seien die einstigen Direktoren des Landesamts und der Museen dann nur noch Abteilungsleiter, mit entsprechend reduzierter Vergütung. So könne man keine renommierten Bewerber gewinnen. Und von der eigenen Identität der Institutionen bliebe auf Dauer "nur noch ein Restbereich". Ganz anders sieht das der Staatssekretär: Der Denkmalschutz werde nicht abgewertet, sondern "im Gegenteil eher gestärkt". Die Museen blieben "als Einrichtungen mit selbstständigen Befugnissen erhalten", nur dass man künftig "besser vernetzt" sei. Zudem würden durch die Synergie-Effekte zusätzliche Finanzmittel frei. Im Trierer Landesmuseum sieht man die Lage offenbar recht gelassen. Offizielle Stellungnahmen sind auch hier nicht zu erhalten, Museums-Chefin Karin Goethert weilt in Urlaub. Aber Panikstimmung herrsche nicht, erzählen Mitarbeiter. Personelle Kontinuität in Trier zu erwarten

Die Gelassenheit könnte damit zusammenhängen, dass sich zunächst wenig ändert. In Mainz gilt als sicher, dass Goethert die nächsten beiden Jahre bis zu ihrem Ruhestand weiter amtiert. Als kommissarische Leiterin hat sie den Betrieb nach den anhaltenden Turbulenzen um ihren Vorgänger Hans-Peter Kuhnen unauffällig wieder stabilisiert und die enorme Vorbereitungsarbeit für die Konstantin-Ausstellung geschultert. Zudem ist seit ihrer Amtsübernahme die Zusammenarbeit mit dem "Burgen, Schlösser, Altertümer"-Chef und designierten Landes-Oberkoordinator Thomas Metz weitgehend spannungsfrei verlaufen - anders als im Landesamt, wo es seit Monaten brodelt. Was den Trierern eher Sorge bereitet, ist eine strukturelle Frage. Mancher argwöhnt, dass bei einer Neuorganisation das Landesmuseum die eigene örtliche Zuständigkeit für die archäologische Denkmalpflege an die Zentrale abgeben müsste - und damit die Kernkompetenz in Sachen Mitwirkung bei Bau- und Planungsverfahren. "Das wäre fatal und würde wirklich eine Abwertung bedeuten", sagt ein langjähriger Kenner der Szene, der die Pläne des Landes ansonsten als "durchaus nachvollziehbar" einstuft. Ob Mainz einen solchen Einschnitt tatsächlich vorhat, dürfte sich in wenigen Tagen klären. "Noch im Oktober" werde das Kabinett eine Vorlage beschließen, sagt Joachim Hofmann-Göttig. Die gehe dann wiederum zur Anhörung an die Experten. Dann könne auch der Landes-Denkmalpflegebeirat seine Meinung äußern, versichert der Staatssekretär, "gerne auch öffentlich".