Keiner mag uns? Super!

Keiner mag uns? Super!

In jedem Monat präsentiert TV-Reporter Andreas Feichtner in der Kolumne "Das rockt!" Konzert-Empfehlungen. Im Juli erhofft er sich einiges von The Notwist.

Trier. (AF) Warum wird der Montag eigentlich ständig gemobbt, permanent niedergemacht, als wäre er eine mutierte Form der Schweinegrippe - und nicht einfach ein Tag wie jeder andere auch?

Ich sage nur: Das Montags-Auto. Die "Montags-Maler" (gut, das ist lange her). Und das Ganze wird noch dadurch befeuert, dass totgeträllerte Anti-Montags-Songs wie "Manic Monday" oder "I don't like Mondays" im Radio tendenziell den Wochenbeginn vergällen sollen. Als wäre jeder beliebige Sonntag nicht tausendmal schlimmer. Ein Vorzug des Montags ist etwa, dass man bei der Wahl des Abendprogramms normalerweise keine Entscheidungen treffen muss: Es gibt ja nichts zu tun. Das ist am zweiten Juli-Montag ausnahmsweise anders. Da stehen gleich zwei Open-Airs an, die einiges erwarten lassen. Joss Stone, das einstige Soul-Wunderkind der britischen Inseln, spielt dann im schönsten Ambiente - im Innenhof der Abtei Neumünster in Luxemburg-Stadt. Da gab es in den vergangenen Jahren jeweils im Sommer ein mit viel Bedacht und Geschmack ausgewähltes atmosphärisches Rock- oder Pop-Konzert. Etwa Sigur Ros, Air oder im vergangenen Jahr Goldfrapp. Das dürfte in diesem Jahr nicht anders sein.

Ich entscheide mich aber für den Montag, 13. Juli, in Trier: Da spielt mit The Notwist eine der besten, wichtigsten, sympathischsten deutschen Indie-Bands auf der Exhaus-Sommerbühne (Vorprogramm: Mintzkov und Diego). Wenn das kein Fest wird, dann weiß ich es aber auch nicht. Zwei Tage später wird es an gleicher Stelle deutlich härter, aber es bleibt innovativ und ein bisschen experimentell: Dann spielen die Kalifornier Isis auf der Sommerbühne.

Der Juli bietet noch mehr: Mit Gary Moore spielt eine der Legenden des Classic- und des Blues-Rock in der Europahalle Trier (2. Juli). Und wo wir schon bei den großen Namen sind: Auch Rod Stewart kommt im Juli in die Region - am 14. Juli wird die Reibeisen-Stimme des mittlerweile 64-Jährigen im luxemburgischen Differdange zu hören sein (Open-Air): So mag zum Beispiel "Sailing" zwar durch übermäßigen Einsatz etwas Charme verloren haben (Der Hit wurde auch trotzig für die Stadionkurve übersetzt: "Wir sind Trierer, wir sind Trie rer - keiner mag uns, scheißegal."). Aber eine große Hymne der 70er bleibt es allemal.

Bei den Hallen-Konzerten ragen im Juli noch die Auftritte der Nine Inch Nails (NIN) am 9. Juli und von Snow Patrol heraus (25. Juli, beide Rockhal/Esch). Die Festivals des Monats: Das nordsaarländische Rock-am-Bach-Festival wird - wie es scheint - in jedem Jahr größer. In diesem Jahr spielen unter anderem Motörhead, Sepultura, Caliban oder The Subways am 10./11. Juli in Merzig.

Schon am 4. Juli ist R(h)einkultur-Zeit: Das riesige Gratis-Open-Air am Bonner Rheinufer (fünf Bühnen) ist in diesem Jahr wieder sehr gut besetzt: unter anderem spielen Selig, Culcha Candela, No Use for a Name, Oli Schulz und Kilians.

Etwas weiter rheinabwärts steht am gleichen Wochenende (3. - 5. Juli) zudem Europas größtes Reggae-Festival an - das Summerjam in Köln (Fühlinger See) wird Zehntausende anlocken. Für Freunde des progressiven Rocks gibt es derweil keine Alternative zur Night of the Prog (10./11. Juli, Loreley, u.a. mit Steve Hackett, Riverside, Marillions "Script for a Jester's Tear" (Mick Pointer) und Gazpacho.

Zugabe:

1.7. Suzanne Vega (Trier, Brunnenhof), 6.7. Mars Volta (Atelier Lux.), 6.7. Katy Perry (Rockhal), 10.7. Paula Morelenbaum (Brunnenhof), 18.7. Steve Lukather (Losheim), 21.7. Cold War Kids (Atelier), 23.7. Leela James (Atelier), 24.7. Songwriter-Festival (Trier, Sommerbühne), 31. Juli: In Extremo (Amphitheater), 31.7./1.8. Lott-Festival (Raversbeuren), 1.8. BAP (Trier, Amphitheater)