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Kernbachs Kolumne: Geheime Vorlieben

Kernbachs Kolumne: Geheime Vorlieben

Wir alle kennen den Begriff des "Outings" leider nur in der Form eines Selbstbekenntnisses zur eigenen sexuellen Ausrichtung. Dabei gibt es in allen Lebensbereichen verheimlichte Vorlieben, zu denen man sich "outen" könnte. Nehmen wir mal Kino. Ich bekenne hiermit: Ich liebe Arnold Schwarzenegger! Arnie ist der größte Schauspieler aller Zeiten! Und: Ich liebe amerikanische Blockbuster mit Raumschiffen! Ein Film ohne Raumschiffe oder Schwarzenegger ist kein richtiger Film für mich, und nachts träume ich davon, das Arnold mal ein Remake von "Star Wars" abdreht. Hierin glaube ich mich insbesondere mit vielen Intellektuellen in Übereinstimmung zu finden. Auch wenn das keiner zugibt. Denn redet man mit den mittlerweile Herrn und Frauen Studienräten oder Zeitungsredakteuren meines Alters über Film, dann fallen garantiert folgende Schlüsselbegriffe der cineastischen Correctness: Das Piano, der Silberne Bär von weißichwo, Lars von Trier... Halt! Spätestens hier muss der bekennende Arnoldianer den Raum verlassen, denn das Gespräch pflügt sich seinen Weg unaufhaltsam in Richtung deutsches Betroffenheitskino, welches lebend destilliert ist in der Person von Margarethe von Trotta. Die immer wieder Filme macht. Kann es einfach nicht lassen. Jetzt schon wieder. "Die Rosenstraße". Wieder ein Klassiker des Zeigefingerkinos von der bekennenden Steinzeitfeministin. Alles am Start, was keiner braucht: Nazis, starke Frauen in Lumpen, Katja Riemann in der Hauptrolle. Kein Arnie. Keine Raumschiffe. Besten Dank! Obschon man den subventionierten Kassenflop förmlich riechen kann ist es diesmal anders, denn: Margarethe hat gelernt! Und zwar, wie man einen Hype macht. Hype, das ist sinnbildlich gesprochen viel Lärm um nichts. Irgendwie hat Frau von Trotta es zustande gebracht, dass ein echter Geschichtsprofessor ihr Werk als Kitsch und Geschichtsklitterung verdammt. Weil der Film vorgibt, eine authentische Geschichte zu erzählen, was er allem Anschein nach nicht tut. Ohne den Professor hätte das kein Mensch gemerkt - und jetzt schreiben alle drüber. Sogar ich!