„Kinder merken sofort, wenn sie veräppelt werden“

„Kinder merken sofort, wenn sie veräppelt werden“

Was haben Rosenstolz, Helene Fischer, Zweiraumwohnung und Bibi.&.Tina gemeinsam? Die Songschreiber Peter Plate und Ulf Leo Sommer. Auf ihr Konto gehen einige Songs von Fischer, Rosenstolz und Co sowie der Soundtrack zum Film Bibi.&.Tina. Mit einer Live-Show über die kleine Hexe und ihre pferdebegeisterte Freundin treten sie am 5. Januar in der Arena in Trier auf.

Am liebsten arbeiten sie zwanglos und ohne Druck, einfach weil es Spaß macht. Die Songschreiber Peter Plate und Ulf Leo Sommer haben auf diese Weise schon viele Hits geschrieben. Während ihrer Zeit bei der Band Rosenstolz und danach für Musikerkollegen wie Helene Fischer und Sarah Connor. Mit dem Regisseur Detlev Buck haben sie die Songs für die "Bibi.&.Tina"-Filme geschrieben, mit denen sie nun auf Tour durch Deutschland gehen. Am 5. Januar machen sie Halt in der Arena Trier. TV-Redaktionsmitglied Stefanie Braun sprach mit Peter Plate über die moderne Kindheit, Fehler auf der Bühne und eine Gang, zu der Plate immer dazugehören wollte.

Wie kam es zu "Bibi &.Tina"?
Peter Plate: Wir haben Detlev Buck, den Regisseur der "Bibi.&.Tina"-Filme, über eine gemeinsame Freundin von ihm und Ulf Leo Sommer, mit dem ich die Songs schreibe, kennengelernt. Nach dem ersten Treffen war sofort klar, wir arbeiten zusammen an der Musik für die Filme. Alles war sehr drucklos und zwangfrei und ist spielerisch entstanden. So arbeiten wir am besten.

Spiel und einen spielerischen Umgang mit der Welt legen auch Bibi und Tina nahe, konnten Sie dieses Gefühl in die Lieder transportieren?
Plate: Ich hab versucht, mich an meine eigene Kindheit zu erinnern, und ich mochte als Kind keine Lieder, die mich belehren wollten, sondern ich wollte schon damals poppige Lieder hören. Genauso wollten wir jetzt auch Popmusik für Kinder machen.

Sie waren bekannt als Mitglied der Gruppe Rosenstolz, die sich eher durch tiefsinnige, manchmal melancholische Texte auszeichnete und sich an ein erwachsenes Publikum gerichtet hat. War der Sprung von Rosenstolz zu Bibi.&.Tina groß, was die Arbeit angeht?
Plate: Ulf und ich haben für Rosenstolz, aber später auch für und mit Zweiraumwohnung, Sarah Connor und Helene Fischer geschrieben und eben auch für Bibi.&.Tina. Lustigerweise ist der Unterschied, was das Arbeiten für die verschiedenen Künstler angeht, kleiner, als man denkt. Man muss einfach brennen für das, was man tut und es immer ernst nehmen, alles ist gleich wichtig.

Was gibt der "Bibi.&.Tina"-Stoff den Kindern von heute?
Plate: Er zeigt ihnen die Wichtigkeit von und den Glauben an Freundschaft. Das ist das Hauptthema, plus die spannenden Abenteuer. Es geht darum, aufrichtig zu sein und auch Fehler zu machen und mit diesen umgehen zu lernen. Wir machen alle immer wieder Fehler, egal ob man noch Kind ist oder erwachsen.

Es kommt einem wie ein Trend vor, dass alte Hörspielhelden oder Kinderbuchfiguren zu Kinofilmstars und Musicalproduktionen aufgebauscht werden. Ist das etwas Positives, oder wird da eher an den Konsum gedacht?
Plate: Ich selbst habe leider keine Kinder, dafür aber die besten Nichten und Neffen der Welt. Was ich da miterlebe, ist eher, dass sich Eltern oft fragen, was sie noch mit ihren Kindern zusammen unternehmen könnten. So viel Auswahl ist da gar nicht. Außerdem mögen verschiedene Kinder auch unterschiedliche Dinge, wenn es mehr gibt, ist die Auswahl ja auch größer und spricht mehr Kinder an. Aber natürlich wird es einiges geben, was zu sehr den kommerziellen Aspekt bedient.

Haben Sie es als schwierig empfunden, sich in eine (moderne) Kindheit reinzudenken?
Plate: Ich war als Kind ein Riesenfan von Erich Kästner und Astrid Lindgren. Die Heldin meiner Kindheit war natürlich Pippi Langstrumpf, ich wollte immer Teil ihrer "Gang" sein. Ich glaube, die kindlichen Empfindungen über solche Geschichten sind heute keine anderen als damals: das Neugierig-Sein und Langsam-Begreifen, wie groß die Welt ist, und es doch nicht fassen können.

"Pippi Langstrumpf" und auch "Bibi.&.Tina" sind Geschichten über starke Mädchen. Bilden sie einen Gegenpol zu einer Gesellschaft, die Mädchen und Frauen immer noch in bestimmte Rollenmuster drängen will?
Plate: Das glaube ich auf jeden Fall. Gerade in den Kinofilmen von Buck wird sehr gegen die Klischees gearbeitet. Auch deswegen wollten Ulf und ich an einem solchen Projekt teilhaben. Wir sind homosexuell und wollen natürlich dazu beitragen, solche Klischee-Gräben zuzuschütten. Einfach zeigen, dass es im Endeffekt nur wichtig ist, dass man sich entfalten kann, und dass man Spaß hat im Leben.

Ist Weiteres geplant zu Bibi und Tina?
Plate: Wir arbeiten schon an der Musik zum vierten Film. Das wird der letzte Teil sein und eine Riesenüberraschung für die Fans werden. Aber im Moment konzentrieren wir uns auf die Show "Bibi.&.Tina". Das ist zurzeit das große Abenteuer unseres Lebens. Beim Musical ist alles viel direkter, auch die Zuschauer sehen Fehler direkter. Aber uns ist es wichtig, eine Show zu machen, bei der nichts vom Band kommt, sondern alles live ist. Ich möchte den Kindern die Chance geben, zu erleben, wie toll Livemusik ist. Und den Schauspielern und Musikern auf der Bühne die Chance, improvisieren zu können und vielleicht einen Refrain mehr zu singen, einfach weil die Stimmung gerade so toll ist.

Sind Kinder ein strengeres Publikum, oder kriegen eher die Eltern Stress, wenn die Show nicht optimal für ihr Kind läuft?
Plate: Kinder merken sofort, wenn man sie veräppelt, und sind eigentlich total streng. Wenn wir ein Lied geschrieben haben, spiele ich es Kindern vor, und sie sagen sofort, ob sie es gut oder schlecht finden. Oder auch, ob es zu "ihrer" Bibi passt. Wenn man mal den Text vergessen hat, dann verzeihen die meisten das, wenn man es auf der Bühne einfach offen sagt. Bei Rosenstolz haben wir das auch so gemacht. Und eigentlich gilt das fürs ganze Leben.

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