Kindergeschichte(N)

Moritz aus Berlin ist in den Ferien zu Besuch bei Tante Rosi in Trier. Die Porta Nigra findet er ganz toll.

Stolz zeigt er Tante Rosi das kleine Modell davon, das er sich für 10 Euro gekauft hat. "Maju, suu deier?" ruft Tante Rosi erstaunt. Moritz versteht nur Bahnhof. "Was hast du gesagt?" fragt er verwirrt. Tante Rosi erklärt ihm, dass sie sich über den Preis für das Modell gewundert hat, der ihr zu hoch vorkam. Übertragen ins Hochdeutsche lautet ihre Frage: "Mein Gott, so teuer?" Tante Rosi hat allerdings nicht den lieben Gott angerufen, sondern die Eltern von Jesus. "Maju" ist die Abkürzung von Maria und Josef. Wörtlich übersetzt lautetet ihr Ausruf: "Maria und Josef, so teuer!". Tante Rosi spricht nämlich Trierer Dialekt, das "Trierisch". Das ist ihre Muttersprache. Darauf ist sie stolz. Hochdeutsch hat sie später in der Schule gelernt. So wie Tante Rosi ergeht es ganz vielen Leuten. In Deutschland werden noch sehr viele Dialekte gesprochen. Das Wort kommt aus dem Griechischen und bedeutet "miteinander reden". Wer Dialekt spricht, ist genauso schlau wie Leute, die Hochdeutsch sprechen. Dass jemand Dialekt spricht, ist oft ein Zeichen, dass er an seienr Heimat hängt. Das Problem ist nur, dass Menschen, die Dialekte sprechen, nicht überall verstanden werden. Das Besondere an Dialekten ist nämlich, dass sie nur von einer Gruppe Menschen, an einem ganz bestimmten Ort oder in einer Region, gesprochen und verstanden werden. Das kann manchmal schwierig werden. Ein Hamburger, der seinen norddeutschen Dialekt spricht, wird von einem Schwaben selten verstanden. Wer als Moselaner einen Krimi aus Oberbayern anschaut, in dem Dialekt gesprochen wird, bekommt meist nur die Hälfte mit. Und für Moritz aus Berlin ist Trierisch erst mal ein Geheimnis. Total verwirrend sind die vielen Dialekte für Ausländer. Deshalb braucht man eine allgemeine so genannte Standardsprache, in der sich alle untereinander und mit Fremden verständigen können. Das ist bei uns Hochdeutsch. Trierisch ist übrigens ein Dialekt, der zur großen Gruppe der moselfränkischen Dialekte gehört. Moselfränkisch wird zum Beispiel an der Mosel, in der Eifel und im Hunsrück gesprochen. Auch die luxemburgische Sprache ist ein moselfränkischer Dialekt. Er hat ganz viele Untergruppen, zu denen auch Trierisch gehört.Eva-Maria Reuther

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