Kindergeschichte(n)

Am Ostersamstag ist Lisa immer ganz aufgeregt. Obwohl kein Silvester ist, darf sie ganz lange aufbleiben.

Gemeinsam mit ihren Eltern geht sie dann in die Kirche, wo in der Nacht das Osterfeuer angezündet wird. Schon lange vorher hat sie sich eine Kerze besorgt, die sie dort am Feuer anmachen will. Osterfeuer gibt es in christlichen Kirchen etwa seit 500 Jahren. Sie werden auf dem Kirchhof abgebrannt. Wenn das Feuer lodert, zünden die Gläubigen, die sich darum versammeln, Kerzen daran an, um sie anschließend in die dunkle Kirche zu tragen. Die brennenden Kerzen, die den dunklen Raum erhellen, sind ein Zeichen dafür, dass Jesus, auferstanden vom Tod, als Licht in die finstere Welt kommt. Das Licht ist den Menschen als Lebensquelle und Wegweiser schon seit Jahrtausenden wichtig und sogar heilig. Bereits die alten Römer kannten so etwas wie ein "Ewiges Licht". Im Tempel der Göttin Vesta brannte ein Feuer, das nie ausgehen durfte. Die Wiedergeburt des Lichts nach dem dunklen Winter feierten die Germanen mit riesigen Feuern, den Vorgängern unserer Osterfeuer. Neben den Feuern aus angezündeten Holzstapeln wurden dann riesige brennende Räder von den Bergen ins Tal gerollt. Ihr Feuerschein versprach Glück und Freude, soweit er reichte. Nicht erst im Christentum bedeutet übrigens der Kampf des Lichts gegen das Dunkel den Kampf des Guten gegen das Böse. Schon lange vorher, glaubten die Menschen, dass die Dunkelheit voller böser Geister sei. Wenn endlich nach dem langen Winter das Licht zurückkam und die brennenden Feuer Frühling und Licht ankündigten, wurden die bösen Geister als Strohpuppen gleich darin mitverbrannt. Sogar die christlichen Kerzen, die in den Kirchenraum getragen werden, in dem vorher das Licht gelöscht wurde, haben ihre Vorfahren. In vorchristlichen Zeiten löschte man zuhause im Herd das Feuer, bevor man zum großen Feuer ging. Vor den Heimweg zündete man daran ein Stück Holz an, mit dem das erloschene Herdfeuer wieder angemacht wurde und neue Wärme und neues Licht spendete. Eva-Maria Reuther