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Klänge aus ätherischen Sphären

Klänge aus ätherischen Sphären

Lange hat man darum gebangt, ob es eine Zukunft für die Kammermusikalische Vereinigung Trier geben wird (der TV berichtete). Das sind Sorgen von ge stern, für die es heute keinen Grund mehr gibt. Ein Beleg dafür war das Finalkonzert der laufenden Saison.

Trier. (gkl) Was für ein Abend, mit dem die aktuelle Spielzeit der Kammermusikalischen Vereinigung beendet wurde! Im Kurfürstlichen Palais war das amerikanische Daedalus Quartett mit den Geschwistern Min-Young und Kyo-Young Kim (Violine), Jessica Thompson (Viola) und Raman Ramakrishnan (Violoncello). Es fällt schwer, nach diesem Konzert nicht in den Superlativ zu verfallen. Es war ein rundherum stimmiger und auch aufregender Abend, bestens geeignet, eine großartige Spielzeit zu beenden.

Offenbarung in Sachen zeitgenössischer Musik



Homogen und äußerst expressiv am Anfang das F-Dur Quartett, Opus 77/2 von Joseph Haydn, spröde und eigenwillig die "Drei Stücke für Streichquartett" von Igor Strawinsky, geheimnisvoll spannend die "Voces intimae", das Streichquartett d-Moll von Jean Sibelius. Und mitten drin mit "Flight from the Labyrinth" von David Horne eine Offenbarung in Sachen zeitgenössischer Musik. Dass das Ensemble technisch Grandioses zu leisten imstande war, verstand sich von selbst. Ohne dieses Können wären die Musiker nicht in der Lage gewesen, Hornes Opus aus dem Jahr 2004 zu bewältigen. Der Schotte hat hier mit technischen Hürden weiß Gott nicht gegeizt. Es kam aber diese unglaubliche Intensität des Zusammenspiels dazu, dieses Zusammenschmelzen der Musik, bei der man sich häufiger fragen musste, ob wirklich vier Akteure auf der Bühne saßen. Getoppt wurde es aber noch durch das Spiel mit den Klängen. War das nicht eine Glasharfe, die da gerade bei Horne gespielt wurde, oder ein Harmonium, das diese ätherische Sphäre verursachte?

Strawinskys "Cantique" beschwor einen Chor in den Raum, die leisen Passagen bei Sibelius hatten den Charakter einer intensiven, zutiefst persönlichen Unterhaltung, nur bestimmt für die Ohren weniger. Ein Abend, von dem man noch lange zehren kann, bevor die neue Konzertreihe am 7. Oktober wieder startet.