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Klang + Kunst = Klangkunst

Klang + Kunst = Klangkunst

Trier wird im Februar wieder zum Treffpunkt zeitgenössischer Töne. Dann führt das Festival "Opening" Künstler, Interessierte und Freunde Neuer Musik zusammen.

Trier Wer sich mit aktueller Klangkunst beschäftigt, muss bereit sein, sich neuen Hörgewohnheiten zu öffnen und altbekannte und sogar alltägliche Klänge und Geräusche in neue Sinnzusammenhänge zu ordnen. Und doch gilt bis heute, was der Philosoph Theodor Adorno dereinst nüchtern feststellte: Neue Musik wird von den meisten Zuhörern eher ertragen als genossen. Als Förderer Aktueller Klangkunst genauso wie als Mittler zwischen Alter und Neuer Musik versteht sich das Trierer Festival für Aktuelle Klangkunst "Opening". Zum 17. Mal findet das Festival vom 10. bis zum 12. Februar als Veranstaltung der Stadt Trier in Zusammenarbeit mit der Tufa statt. Gefördert wird das größte Aktuelle Klangkunst Festival in Rheinland-Pfalz durch das Land in diesem Jahr mit 12 000 Euro. Wie überall in der Kunst geht es dennoch auch hier nicht ohne Leidenschaft, schon angesichts der bescheidenen Honorare. "Wir sind froh, dass die Künstler aus Freundschaft kommen", sagt Bernd Bleffert, künstlerischer Leiter des Festivals.
Auch für die 17. Ausgabe haben Bleffert und Thomas Rath, ebenfalls künstlerischr Leiter, ein interessantes und gut strukturiertes Programm zusammengestellt, das die Brücke zwischen alt und neu schlägt. So werden nicht nur "unerhörte Klänge" zu sinnstiftenden Klangbildern und -erlebnissen. Das Programm erzeugt auch ein Bewusstsein für die Zusammenhänge zwischen alter und neuer Musik.
Gleich zum Auftakt des Festivals spielt das Jugend-Ensemble Neue Musik des Landesmusikrates Rheinland-Pfalz/Saar. "Coming together" heißt das Konzert, dessen Titel sich nicht allein an das Publikum richtet, sondern auch musikalisches Programm ist. "Wir wollen die Brücke zwischen den Generationen schlagen und dabei auch die Jugendlichen zu Wort kommen lassen", sagt Ulrich Nilles vom Landesmusikrat RLP.
Sozusagen zu den Grundlagen des Festivals gehört das Werk des Klassikers der Moderne, Karlheinz Stockhausen. Geradezu Hauskünstler des Festivals ist inzwischen auch der zeitgenössische Komponist Gerhard Stäbler, diesmal ist seine Komposition "O Muro" für Singstimme, Schlagzeug, Eisblöcke und Tonband zu hören. Freuen darf man sich zudem auf Richard Haynes Klarinetten-Solo. Spannend dürfte überdies das Konzertprojekt "Tendenzen" werden. Klanglich neu denken Alexandra und Alexander Grychtolik Johann Sebastian Bachs "Goldberg-Variationen" am Cembalo. Ein weiteres Highlight: Morton Feldmans "For Bunita Marcus" mit der japanischen Pianistin Satoko Inoue. "Wir blicken über kulturelle Grenzen wie nie vorher" betont Bernd Bleffert. Aus drei Himmelsrichtungen kommen denn auch Naranbaatar Purevdorj mit seinem mongolischen Gesang und der Pferdekopfgeige, der arabische Percussion-Künstler Joss Turnbull und Bernd Bleffert mit seiner Klanginstallation. "Wenn Jugendliche selbst daran arbeiten, bekommen sie Zugang zur Neuen Musik", heißt es bei den Festival - Machern. Zum Programm gehören daher unverzichtbar die speziellen Schülerkonzerte und Workshops.
Und da die Kunst eine synergetische Kraft ist, gibt es auch dieses Jahr die Klangkunst- Ausstellung Open-Expo mit Werken von Klaus Maßem und Bernd Bleffert. "Ein musikalisches Biotop mit Werkstattcharakter sei das Festival", erklärt Tufa-Geschäftsführerin Teneka Beckers. Darin treffen sich Künstler und Kunstinteressierte zum gemeinsamen Hören und Diskutieren. 1000 Besucher kamen im letzten Jahr. Das wollen die Veranstalter diesmal möglichst noch toppen.DIE KONZERTE IM ÜBERBLICK


Extra

(er) Freitag, 10. Februar 19 Uhr Tufa, Coming together- beherzt! JugendEnsembleNeueMusik Rheinland-Pfalz/Saar 20.30 Uhr Viehmarktthermen, Karlheinz Stockhausen, Kommende Zeiten, geschöpftes Spiel Ensemble für Intuitive Musik, Weimar. 22 Uhr Tufa, Goldberge ….tastenweise Aleksandra und Alexander Grychtolik/Cembalo Duo Samstag 11.Februar, 18 Uhr, Tufa, Freuden …. mit vollen Händen. Karlheinz Stockhausen u. Freude /Für 2 Harfen aus dem Zyklus Klang. 19.30 Uhr, Atrium des Angela Merici Gymnasiums : Widerstände …voller Wärme, Gerhard Stäbler: O Muro, Kunsu Shim: Mutter Vater,Guzmán Calzada und Sofia Sheps: Winterpiece. 21 Uhr ,Tufa Tendenzen ….aufgespürt Konzertprojekt des Ensembles wo rk in progress, Berlin 22..30 Uhr, Tufa, Ansprachen …nicht aus der Luft gegriffen, Richard Haynes-Klarinette-Solo. Sonntag, 12.Februar 16 Uhr, Tufa 3 Himmelsrichtungen - Versuch einer Nichtannäherung. 18 Uhr, Tufa, Belcanti ... aus voller Brust Linda Hirst/Sopran + Martin Lindsay / Bariton 20 Uhr, Museum am Dom, Zeitdehnungen…verliert sich hier nur ein Ton unbemerkt Morton Feldman: for Bunita Marcus Opening 17 für Schüler Freitag, 10. Februar 10 Uhr, Tufa, Goldberge ….tastenweise: Für Schüler der Klassen fünf bis acht. Aleksandra und Alexander Grychtolik/Cembalo Duo 12 Uhr, Tufa, Coming together - beherzt! Konzert-Workshop für Schüler der Oberstufe Montag, 13.Februar 8.30 Uhr, Steppenklang…welch eine Stimme Mit Naranbaatar Purevdorj. Für Gundschüler. Für alle Konzerte ist eine Anmeldung erforderlich. Open-Expo-Ausstellung Klangkunst-Ausstellung: Bernd Bleffert, Klaus Maßem 10. Februar bis 3. März. Vernissage am Freitag, 10. Februar 18 Uhr, Finissage am Freitag, 3. März um 18 Uhr mit Tanz, Performance, Vortrag. Eintrittspreise: Festivalpass: 48 Euro/ermäßigt 32 Euro. Einzelveranstaltung: elf Euro / sieben Euro. Tageskarte: 26 Euro/18 Euro. Workshop: vier Euro pro Schüler.