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Klangfarben wie beim Orchester

Klangfarben wie beim Orchester

Sie sind jung und doch fertige Musiker, die Stipendiaten der "Villa Musica". Im Trierer Kurfürstlichen Palais musizierten sie mit einem jugendlichen Elan, der den Konzertabend zu einem reinen Vergnügen machte.

Trier. Ein kleiner Moment des Zögerns, eine leise, kaum merkbare Unsicherheit zu Beginn - und dann spielen sie mit einem Engagement und einer Energie, die jeden Einwand vergessen macht. Im vollbesetzten Festsaal des Trie rer Kurfürstlichen Palais klang Antonin Dvoraks Streichquintett op. 97 mit einer beglückenden Frische, wie sie nur jungen Musikerinnen und Musikern gelingt.

Die Stipendiaten der Mainzer Landesstiftung "Villa Musica", fertige Instrumentalisten, oft international preisgekrönt, hatten mit Ulf Rodenhäuser (Klarinette) und Wen-Sinn Yang (Cello) Kompositionen im Übergangsbereich zwischen Orchester- und Kammermusik erarbeitet. Mit hörenswerten Resultaten.

Eindrucksvoll, zu erleben, wie die Gattungen einander durchdringen können, wenn nur die Ausführenden in beiden Bereichen zuhause sind.

Bei Dvoraks Quintett sind es die zahlreichen Stimmenverdopplungen, die diesem Werk einen orchestralen Zug mitgeben, und den betont die Intensität der Interpretation.

Gustav Mahlers Orchesterlieder "eines fahrenden Gesellen" in einer Fassung für Sänger und achtköpfiges Ensemble aufzuführen, ist das Experiment wert. Zumal Benjamin Appls schlanker, äußerst kultivierter Bariton die gebrochene Melancholie der Lieder vermittelte. Freilich verschwimmen im Palais-Festsaal die Instrumentalfarben.

Ensemble wird zum Orchester



Aber dann, wirklich spannend, die Brahms-Serenade op. 11 für großes Orchester in der rekonstruierten Urfassung für neun Instrumente. Wie paradox: Während Aufführungen in der Orchesterversion oft die kammermusikalischen Feinheiten der Komposition enthüllen, entfaltete das Ensemble an diesem Abend Klangfülle und Farbenreichtum als wäre es ein Orchester.

Die Stipendiaten der Landesstiftung "Villa Musica": Elisabeth Kohler, Matjaz Porovne: Violine, Liisa Randalu, Veronika Weiser: Viola, Alexis Scharff: Kontrabass, Lukas Wiegert: Fagott, Martin Dickmann: Horn, Nicola Hartwig: Klarinette.