| 21:30 Uhr

Klangliche Überraschungen

Rudolf Kelber war zu Gast in Trier. TV-Foto: Gerhard W. Kluth
Rudolf Kelber war zu Gast in Trier. TV-Foto: Gerhard W. Kluth
Ausschließlich Komponisten, denen die Musikwelt in diesem Jahr besonders gedenkt, widmete sich Rudolf Kelber, Organist der Hamburger Hauptkirche St. Jacobi, bei seinem Konzert im Dom in Trier. An den Schluss aber setzte er eine Improvisation über den Trierer Jubilar Constantin.

Trier. (gkl) Kelber ist seit 25 Jahren Organist an einer Arp Schnitger Orgel aus dem Jahre 1693. Wer ein solches Instrument tagtäglich spielt, kennt sich in der alten Musik selbstredend aus. So gehörte der Block mit drei Werken von Dietrich Buxtehude (gestorben 1707) quasi zu seinem Pflichtrepertoire. Wie aber würde Kelber Praeludium e-Moll, BuxWV 142, Toccata F-Dur, BuxWV 156, oder die Choralfantasie "Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ", BuxWV 196, auf einer Orgel darstellen, die so gar keine historischen Elemente aufzuweisen hat? Offensichtlich hatte Kelber sich eingehend mit der Trierer Domorgel befasst, denn was er ihr an Klangfarben und Schattierungen entlockte, war unglaublich. An manchen Stellen mochte man zweifeln, ob es wirklich das allseits bekannte Instrument ist. Insbesondere die sehr stark zergliederte Toccata barg unentwegt klangliche Überraschungen, glänzte mit herbem norddeutschen Charme. Weitere Werke des Barocks waren zwei Toccaten von Domenico Scarlatti (Todesjahr 1757) und Orgelbearbeitungen zweier Orchesterwerke von Michel-Richard Delalande, der 1657 geboren wurde. Aber Kelber ist nicht nur für die Barockmusik gut. Zweimal widmete er sich Jean Langlais, geboren 1907. Er genoss offensichtlich den majestätischen, aber auch den zarten, entrückten Klang, den die Domorgel für solche Musik bereithält. Wie ein eigenes Glaubensbekenntnis setzte der Lutheraner Kelber Langlais Fassung von "Ein feste Burg ist unser Gott" aus dem Livre oecuménique an den Beginn seines Abends, bestätigte dann aber mit der Suite Médiévale, dass er auch mit dem musikalischen Katholizismus keine Probleme hat. Absolut stimmig waren hier insbesondere seine Auffassungen von der Improvisation zur Wandlung und der Meditation zum Kommuniongang. Als Gruß an die Stadt Trier setzte Kelber an den Schluss eine Improvisation über den Namen Constantin, den er nach der Messiaenschen Lehre in Töne umsetzte. Äußerst kunstvoll gestaltete er seine Hommage an den Kaiser in einem Tango ricercato, vereinte auch hier sein Können, bei dem es auch an einem Fugato nicht fehlte, mit der Ausdrucksfülle der Domorgel. Ein eindrucksvoller Abend im wahrsten Sinne des Wortes.