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Klassentreffen der melancholischen Art

Klassentreffen der melancholischen Art

Kleines, feines Songwriter-Festival: Beim "M-Pire Strikes Back" packen am Samstag, 15. November, fünf Bands und Solokünstler im Trierer Exhaus-Balkensaal die Akustikgitarren aus.

Trier. Was ist das Schlimmste, was einem Songwriter passieren kann? Wenn die Ideen ausgehen, sie einfach weg sind. Wenn sich nur noch die Wiederholung anschleicht, die ständige Selbstreferenz debil von der Seite rüber grinst. Wenn alles gesagt und gesungen ist. Nur noch nicht in jeder Tonart.
Vielleicht ging es Sänger Rocky Votolato auch so, kurzzeitig. Der Sänger und Gitarrist aus Seattle war es leid. Die Ochsentouren, das Nirgendwo-Zuhause-Dasein. Womöglich auch die eigenen Melodien, die ihm jede Menge Fans eingebracht haben. Ein Jahr lang hat er keine Songs geschrieben - und schlimmer: Er wollte auch keine mehr schreiben.
Das ist vorbei, Rocky will wieder, kann wieder. Wenn er am Samstag beim liebevoll zusammengestellten "The M-Pire Strikes Back"-Festival in Trier auftreten wird, hat er zwar noch kein neues Album am Merchandising-Stand liegen. Der Nachfolger von "Television of Saints" soll Anfang 2015 erscheinen. Aber ein paar neue Songs wird er schon live präsentieren, das ist fest eingeplant. Aufgenommen wurde das Album vor wenigen Wochen mit Rockys Kumpel Chris Walla (Death Cab for Cutie). Thematisch wird es erwartungsgemäß und passend zur Jahreszeit herbstlich, das kündigt Rocky Votolato an. Textlich werde es verstärkt um Traumata gehen. Im Exhaus soll es am Samstag aber eher traumhaft melancholisch als traumatisch werden.
Als Co-Headliner ist der Engländer Rob Lynch angekündigt, der seinen Seelenfrieden nicht nur in der Kneipe sucht und findet (aktuelles Album: "All these nights in bars will somehow save my soul"). Um es im Versandhändler-Deutsch zu formulieren: Wem Frank Turner gefällt, der sollte auch mal Rob Lynch eine Chance geben.
Das Münsteraner Label Uncle M bringt in Trier zudem weitere Bands und Songwriter auf die Bühne. "Bad Ideas" präsentieren Songs ihres neuen Albums in Akustikversionen. Ins bewährte Muster "von der Punkband zum Songwriter" passt auch Joe McMahon, der zuvor bei Smoke or Fire spielte.
Labelchef Mirko Gläser verspricht eine Art "Klassentreffen einiger der besten Folk-Songwriter". Nur an zwei Abenden gibt\'s diesen Songschreiber-Mix in Deutschland so zu erleben. Am Freitag in Münster und am Samstag im Trierer Exhaus. Für Rocky Votolato wird\'s fast ein Heimspiel: Der Amerikaner war schon mehrfach zu Gast an der Mosel.