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Klassik aus Skandinavien im Trierer Theater

Vorschau : Klassik aus Skandinavien im Trierer Theater

Ein Werk von Franz Berwald wird der Schwerpunkt des 7. Trierer Sinfoniekonzerts am Donnerstag, 30. Mai, im Theater.

Nein, Ikea hat sich keine neue Musikabteilung zugelegt. Und auch der Vergleich mit der Gruppe Abba hinkt. Im 7. Sinfoniekonzert, Donnerstag, 30. Mai, 20 Uhr, Trierer Theater, bleiben die Philharmoniker der Moselstadt ganz auf ihrem ureigensten Terrain. Keine neuen Möbel und auch kein Pop also, stattdessen präsentiert das Trierer Orchester einen schwedischen Komponisten des 19. Jahrhunderts, der trotz aller Verdienste im mitteleuropäischen Musikleben nie ganz heimisch geworden ist.

Franz Berwald (1896-1868) gehört zur Generation von Schubert, lebte indessen deutlich länger als der Frühromantiker und orientierte sich dennoch in seinen Kompositionen an der Wiener Klassik – freilich ohne den Stil von Haydn, Mozart und Beethoven zu kopieren.

Berwald war ein ruheloser Geist. Er wurde von seinem Vater zum Geiger ausgebildet, blieb aber als Komponist Autodidakt. Dabei war seine Begabung so herausragend, dass der schwedische Kronprinz 1829 eine Reise nach Berlin finanzierte.

Dort machte er zwar Bekanntschaft mit dem mitteleuropäischen Musikleben, entdeckte aber auch auf völlig anderen Feldern neue Techniken und etablierte 1835 in Berlin sogar eine orthopädische Praxis. Nach 13 Jahren in Berlin und Wien kehrte er 1842 zurück nach Schweden.

In die Zeit der Rückkehr fällt die Komposition von vier Sinfonien, denen Berwald die Beinamen „Symphonie capricieuse“, „Symphonie sérieuse“, „Symphonie naive“ und „Symphonie singulière“ gab. Sie gelten als Höhepunkte in Berwalds Schaffen.

Trotz weiterer Reisen und Bekanntschaften mit angesehenen Musikern des Kontinents war der Komponist nicht in der Lage, mit Musik in Schweden seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Er betrieb schließlich eine Glashütte und erfuhr nach zwei Pleiten erst in den letzten Lebensjahren künstlerische Anerkennung.

Die „Symphonie singulière“, die „einzigartige Sinfonie“, die das Konzertprogramm am Donnerstag abschließt, ist datiert auf 1845. Sie besteht aus einem einleitenden Sonatensatz, einem Adagio, das einen Scherzosatz in sich einschließt, und aus einem dramatischen Finale, hauptsächlich in düsterem c-Moll, allerdings mit einem strahlenden C-Dur-Abschluss.

Das greift zum Schluss die Thematik des Kopfsatzes wieder auf. Die Geschichte der Partitur ist so komplex wie das Leben des Komponisten. Berwald ließ sie zunächst liegen, ohne eine Aufführung anzustreben. So kam erst 1905 in Stockholm eine postume Uraufführung zustande.

Die Zustimmung bei Kritik und Publikum war einhellig. In den folgenden Jahren wurde die Sinfonie in Karlsruhe, Berlin, Leipzig und Dortmund aufgeführt. 1911 erschien sie im Druck. Berwald indessen hat sie niemals gehört.

Außerdem steht Mozarts Violinkonzert KV 218 auf dem Programm. Solistin Petrova Liya wuchs in Bulgarien auf. Sie ist die Gewinnerin des Internationalen Carl Nielsen-Geigen Wettbewerbs in Dänemark 2016. Zuvor war sie Preisträgerin des Concours International de Violon Tibor Varga in Sion, des Internationalen Louis Spohr Wettbewerbs für Junge Geiger in Weimar und des Vaclav Huml Wettbewerbs in Zagreb.

Jukka Linkola, Komponist der einleitenden „Winds” ist in Klassik und Jazz gleichermaßen zu Hause. Wobei der Jazz auch sein klassisches Repertoire beeinflusst. Kenner verorten seinen Stil auch zwischen Romantik und Neoklassizismus.

Yi-Chen Lin, Dirigentin im 7. Sinfoniekonzert, wurde in Taiwan geboren. Nach der Übersiedlung der Familie nach Wien erhielt sie dort ihre Ausbildung – zunächst als Geigerin und Pianistin, später auch als Dirigentin. Musikalische Impulse bekam Yi-Chen Lin unter anderem von Zubin Mehta, Bernard de Billy, Bernard Haitink und David Zinman.

Das 7. Sinfoniekonzert findet am Donnerstag, 30. Mai, im Theater in Trier statt. Gegenstand der Vorstellung sind Werke von Linkola, Mozart und Berwald. Liya Petrova spielt an der Violine. Dirigentin ist Yi-Chen Lin. Karten gibt es unter der Telefonnummer 0651/7181818. Weitere Informationen gibt es auch auf www.theater-trier.de.