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Klassik-Legenden und Elektro-Vivaldi - Am Freitag startet das 30. Mosel Musikfestival

Klassik-Legenden und Elektro-Vivaldi - Am Freitag startet das 30. Mosel Musikfestival

Stars und Legenden sind beim Mosel Musikfestival vertreten, ebenso wie junge Künstler, die Klassik völlig anders auf die Bühne bringen - rockig, sphärisch, elektronisch. Diesen Freitag geht’s los mit Beethoven für alle.

Trier. 30 Jahre ist das Mosel Musikfestival nun alt. In seinem Geburtsjahr wurde das Computerspiel Tetris programmiert, Michail Gorbatschow und Ronald Reagan trafen sich erstmals und erklärten danach "die Welt sei nun sicherer" geworden, während Opus (knapp gefolgt von Modern Talking) die Charts mit "Live is Life" anführte.
Die Welt hat sich gewandelt seitdem. Und mit ihr die klassische Musikszene. Damals gab es in Deutschland fünf Festspiele. Heute sind es 500. "Wir hatten im ersten Jahr Probleme, Ensembles zu finden", sagt Intendant Hermann Lewen. Denn die seien einfach acht Wochen in den Urlaub verschwunden. Für Sommerengagements habe es keinen Markt gegeben. Daher spielten und sangen anfangs viele Künstler aus der DDR an der Mosel. "Die waren froh, wenn sie mal rauskonnten", sagt Lewen.Mosel Musikfestival


Einer jener Künstler, die schon früh dabei waren, wird auch den 30. Geburtstag des Festivals mitgestalten, das unter dem Motto "Legenden" steht: Ludwig Güttler. Sein Trompetenspiel machte ihn berühmt, genau wie sein Engagement beim Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche. 2007 wurde er dafür von Bundespräsident Horst Köhler mit dem Großen Verdienstkreuz geehrt. Güttler ist am 30. September mit Friedrich Kircheis (Orgel) in der Cochemer Pfarrkirche zu hören.
Als "Grandseigneur unter den Tastenlegenden" kündigt das Programmheft den berühmten Pianisten Alfred Brendel an, der mit seinem Meisterschüler Kit Armstrong am 12. September im Bitburger Haus Beda spielt.
Nicht bloß als Legende, als "Riesen-Weltstar" bezeichnet Lewen Cellist Mischa Maisky, der diesmal seine Tochter Lily (Klavier) mitbringt, um im Barocksaal von Kloster Machern Schubert zu spielen. Auch Bariton Franz Grundheber (Antonin Dvorák, 13. September, St. Maximin, Trier) zählt zweifellos zu den Legenden, die mit dem 30. Festival an die Mosel kommen.
Neben den alten Hasen engagiert Lewen gerne Musiker, von denen er glaubt, dass sie zu Stars werden könnten. So rühmt er sich, Klezmer-Idol Giora Feidman "aus dem Jazzkeller geholt" zu haben. An der Mosel habe Feidman sein erstes Klassik-Festival gespielt. Diesmal hat der Intendant in einem You Tube-Video jemanden entdeckt, von dem er glaubt, dass man noch von ihm hören wird: Roman Kim, ein 23-jähriger Geiger, der das Werk Paganinis am 23. August in der Wittlicher Syn-agoge zu neuem Leben erweckt.
Auch Innovatives hat die Geburtstagssaison zu bieten: Die koreanische Pianistin, Komponistin und Sängerin Younee mixt Klassik, Jazz und Pop und Lewen verspricht: "So hat man Bach noch nie gehört" (Freitag, 11. September, Synagoge Wittlich).
"Nachts in der Basilika" dürfte so mancher Zuhörer Gänsehaut bekommen. Nicht weil es dort kalt wäre, sondern weil die weibliche A-cappella-Formation Sjaella für ihren glockenklaren, sphärischen Gesang bekannt ist, der von Saxophon (Anne Kaftan) und der neuen Orgel (Adrian Caspari) begleitet wird. "So etwas gibt es sonst nirgendwo", schwärmt Lewen.
Ein weiteres Highlight ist "Vivaldi recomposed" von Daniel Hope und Max Richter, deren gleichnamiges Album in den USA Erfolge feiert. "Die vier Jahreszeiten", der Soundtrack unzähliger Warteschleifen und Werbespots, wird dank der Neukomposition mit elektronischem Klangdesign zu etwas, das die Schönheit von Vivaldis Werk wieder greifbar macht (28. August, Kloster Machern). Los geht das Festival am Freitag mit Beethoven für alle: Das Eröffnungskonzert, Beethovens Missa Solemnis, wird ab 20 Uhr kostenlos auf den Basilikavorplatz übertragen. Einfach Picknick mitbringen und Klassik genießen.
Karten gibt es im TV-Service-Center in Trier sowie unter der Ticket-Hotline 0651/7199996.Extra

Klassik-Legenden und Elektro-Vivaldi - Am Freitag startet das 30. Mosel Musikfestival
Foto: (g_kultur
Klassik-Legenden und Elektro-Vivaldi - Am Freitag startet das 30. Mosel Musikfestival
Foto: (g_kultur

Freitag, 17. Juli, 20 Uhr: Eröffnungskonzert - Ludwig van Beethoven, Missa Solemnis Konstantin-Basilika, Trier Samstag, 18. Juli, 20.30 Uhr: Open Air - Brass im Wingert, Horns on fire (ausverkauft), Klosterruine Stuben, Bremm Sonntag, 19. Juli, 17 Uhr: Cello plus - Benedict Klöckner, Violoncello & Camerata Cusana Barocksaal Kloster Machern, Bernkastel-Wehlen Mittwoch, 22. Juli, 20.30 Uhr: Internationaler Orgelsommer - Thomas Heywood, Konstantin-Basilika, Trier Freitag, 24. Juli, 20 Uhr: Liedlegenden - Lieder, Reigen, Liebe Kultur & Tagungszentrum Kapuzinerkloster, Cochem Freitag, 24. Juli, 20.30 Uhr: Open Air - Maybebop, Vocalband, Kurfürstliches Palais - Innenhof, Trier Samstag, 25. Juli, 8 Uhr: Orgelwanderfahrt, Hotel Deutschherrenhof, Zeltingen-Rachtig Samstag, 25. Juli, 20.30 Uhr: Open Air - Quadro Nuevo & Harmonic Brass, Concerto grande, Kurfürstliches Palais - Innenhof, Trier Sonntag, 26. Juli, 11 Uhr: Gentlemen of Swing, Kultur-Gießerei Saarburg, Sonntag, 26. Juli, 17 Uhr: Kathedralklänge - Bruckner, Hohe Domkirche, Trier Mittwoch, 29. Juli, 20.30 Uhr: Internationaler Orgelsommer - Philip Crozier, Konstantin-Basilika, Trier Donnerstag, 30. Juli, 15 Uhr: Märchenkonzert - Die Schatzsuche zum Harfenberg, Puppenmuseum Kloster Machern, Bernkastel-Wehlen Donnerstag, 30. Juli, 20 Uhr: Vivat Bacchus - Opus I, Historischer Speicher Weingut S.A. Prüm, Bernkastel-Wehlen Freitag, 31. Juli, 20 Uhr: Jazz im Kelterhaus, Brauweiler, Kulturhof Mesenich, Mesenich kah