Klassik um 11 mit den Trierer Philharmonikern

Konzert : Düstere Musik mit heiteren Einsprengseln

Einen vielversprechenden Spielzeit-Auftakt legen die Trierer Philharmoniker mit dem ersten „Klassik um Elf“-Konzert aufs Parkett der Promotionsaula.

Wenn der erste Kapellmeister Wouter Padberg ein Programm vorbereitet, macht er sich intensiv Gedanken über das musikalische Programm, diesmal abseits von Mozart und seinen Adepten, die sonst gern das Programm bei „Klassik um Elf“ zieren: „Ich wollte alte, englische Musik präsentieren, unterschiedliche Komponisten, die aber alle aufeinander Bezug nehmen, miteinander musikalisch verbunden sind.“ Das ist ihm trefflich gelungen, die seit Jahren bestehende Konzertreihe in der prächtigen Promotionsaula des Trierer Jesuitenkollegs ist nach wie vor ein Höhepunkt im Kalender der Musikfreunde, auch wenn diesmal der Saal mit knapp 120 Besuchern nicht ausverkauft ist. Noch vor dem inoffiziellen Saisonstart mit dem Theaterfest am 8. September ist wohl vielen Stammhörern noch gar nicht bewusst, dass schon die ersten Veranstaltungen laufen. An der Musik jedenfalls hat es nicht gelegen, Padbergs Auswahl zwischen Barock und Spätromantik mit den Komponisten Arne, Purcell, Boyce und Holst ist trefflich gelungen, ebenso ist das engagierte, bestens disponierte Orchester auf den Punkt fit. Seelenvoll, präzise und technisch blitzsauber der Vortrag unter Padbergs Führung am Cembalo, schon der Auftakt, die Sinfonie Nr.2 in F-Dur von Thomas Arne (1710-1778) überzeugt mit weichen Streichern und viel Gefühl. Arne ist „by the way“ auch der Komponist des musikalischen britischen Nationalheiligtums „Rule Britannia!“, eine tragische Pointe in Zeiten des Brexits. Von der durchaus vorhandenen Meisterschaft britischer Komponisten zeugt auch das Werk Henry Purcells (1821-1899). Seine Chacony in g-Moll bietet Barockmusik in schönster, reiner Form. Die Sinfonie Nr.8 in d-Moll, die Worcester Ouvertüre von William Boyce (1711-1779) dann erhaben, mit heiteren, fast tänzerischen Einsprengseln, durchaus beschwingt musiziert. Düsterer Höhepunkt der mit 18 Orchestermusikern besetzten Kammermusik-Matinee dann das Lyric Movement für Viola von Gustav Holst (1874-1934). Solo-Bratschist Fernando Bencomo darf diesmal aus den Reihen der Philharmoniker heraustreten und sein solistisches Können zeigen.

Er tut das mit Verve und einer Perfektion, die Kapellmeister Padberg und das Publikum zum Strahlen bringt. Passend dazu sendet die Sonne einige Strahlen aus dem wolkenverhangenen Himmel heraus in den Konzertsaal. Zum Abschluss noch mal beschwingter Barock „at ist best“ von William Boyce mit einer starken Querflöte von Christoph Riemenschneider.

Großer Applaus des Publikums. Mehr als eine Randbemerkung und ein Beleg für das Engagement und die Unverzichtbarkeit eines städtischen Orchesters ist die Tatsache, dass Hornist Bernd Wege schon zwei Stunden später „seinen“ Musikverein Lyra Ayl als Dirigent beim großen Umzug des Saarburger Weinfestes anführt.

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