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Klassik um Elf: Ein falscher und ein echter Kapellmeister

Klassik um Elf: Ein falscher und ein echter Kapellmeister

Mit Werken von Bach, Mozart und Cimarosa beweist das Trierer Philharmonische Orchester in der Abschiedsvorstellung von Dirigent Joongbae Jee und Bariton Amadeu Tasca eindrucksvoll seine hohe Qualität bei der "Klassik um Elf" am Sonntagmittag.

Trier. Dass Musik, wie wohl keine andere Kunstform sonst, Gefühle transportieren kann, ist eine Binsenweisheit. Meistens sind es die Gefühle des Komponisten.
Beim sonntäglichen Auftritt "Klassik um Elf" des Philharmonischen Orchesters der Stadt Trier jedoch sind es die Gefühle der Musiker. Deutlich ist spürbar, wie sehr der erste Kapellmeister und Stellvertreter von Generalmusikdirektor Victor Puhl, Joongbae Jee - der Trier nach drei Jahren in Richtung Ulm verlassen wird - eine musikalische und persönliche Beziehung zu diesem Orchester aufgebaut hat und wie sehr das Orchester diese Zuneigung erwidert.
Lange Akkorde, weiche Kantilenen


Besonders fällt dann auch der Auftakt des neunten Konzertes der Reihe aus, die Orchestersuite Nr. 3 D-Dur von Johann Sebastian Bach (1685-1750). Die berühmte Air (für Lied, Arie) bietet den Streichern mit seinen langen Akkorden und weiten Kantilenen Raum zur Entfaltung, den sie mit viel Gefühl nutzen. Glänzend Konzertmeisterin Lea Kottner Entchev an der ersten Violine und Grzegorz Rupik am Kontrabass.
Dann der Abschiedsauftritt vom Amadeu Tasca. Auch der ausdrucksstarke, brasilianische Bariton wird das Ensemble des Theaters Trier verlassen und gibt zum Abschied den singenden Kapellmeister, der sein Orchester kritisch und augenzwinkernd antreibt, im "Maestro di Capella" von Domenico Cimarosa (1749-1801). Gesanglich und im Zusammenspiel mit den einzelnen Stimmen des Orchesters ganz vorzüglich vorgetragen.
Reifes Werk eines 16-Jährigen


Zum Abschluss der heiteren und besinnlichen Stunde dann Wolfgang Amadeus Mozarts (1756-1791) Sinfonie Nr. 20, ebenfalls in D-Dur. Ein reifes, geradezu pompöses Werk des gerade einmal 16-jährigen Wunderknaben. Joongbae Jee dirigiert zurückhaltend, fast wehmütig, er lässt das Orchester sprechen, hält aber unüberhörbar die Zügel in der Hand.
Die Philharmoniker spielen in der prachtvollen Promotionsaula des Jesuitenkollegs in kleiner Besetzung. Nach insgesamt neun Ausgaben der "Klassik um Elf"-Matineen darf festgestellt werden, dass es - gleichgültig, in welcher personellen Zusammenstellung - in jeder Vorstellung unbedingt überzeugt hat. Da hat sich über die vergangenen Jahre ein großartiger Klangkörper herausgebildet, in dem jeder einzelne Musiker Verantwortung übernimmt.
Starker Applaus der fast 250 Zuschauer - und als Zugabe noch einmal die wunderbar transzendente Air von Bach. DT