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Klassiker der Filmgeschichte am Theater Trier: "Das Cabinet des Dr. Caligari"

Klassiker der Filmgeschichte am Theater Trier: "Das Cabinet des Dr. Caligari"

Ein Film, auf der Theaterbühne nachinszeniert, ist nichts Neues. Einen Stummfilm komplett wortlos nachzuempfinden dagegen schon. Die Regisseurin Alice Buddeberg macht es in Trier mit einem Klassiker des Expressionismus: "Das Cabinet des Dr. Caligari" hat am Samstag Premiere.

Trier. Am 24. Januar 1920 findet in einem Münchner Lokal die Gründungsversammlung der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei statt, auf der ein gewisser Adolf Hitler ein Programm verkündet, in dem er die "Ausgrenzung fremder Elemente im deutschen Volk" verlangt. Das Programm ist eine Mischung aus paranoider Stimmung und einer kollektiven Angst vor unsichtbaren Feinden, die, so wörtlich "den Volkskörper attackieren".

Einen Monat später, am 26. Februar, wird in Berlin "Das Cabinet des Dr. Caligari" uraufgeführt. Werner Krauß, Conradt Veidt und Lil Dagover spielen die Hauptrollen, Robert Wiene hat Regie geführt. Der Film wird von nachfolgenden Generationen zum "Meisterwerk des Expressionismus" ernannt.

Zahlreiche Literaturwissenschaftler und Filmkritiker haben später auf die Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Ereignissen hingewiesen: hier das Aufkommen des Nationalsozialismus mit einem wahnsinnigen "Führer", dort der tyrannische Schausteller und Hypnotiseur Caligari, der nach Lust und Laune Menschen meucheln lässt und sich dabei eines Faktotums namens Cesare bedient, das die Befehle des Jahrmarkttyrannen ausführt. Die bekannteste Untersuchung zum Thema stammt von dem Soziologen und Filmtheoretiker Siegfried Kracauer, der seine 1947 erschienene "psychologische Geschichte des deutschen Films" konsequenterweise "Von Caligari zu Hitler" nannte.

Für Alice Buddeberg, die die Geschichte des Manipulators jetzt in Trier auf die Bühne bringt, sind es allerdings weniger die politischen Konnotationen, die sie gereizt haben, sondern die psychologischen. Der Regisseurin, Jahrgang 1982, die unter anderem in Hamburg, Bremen, Wien und Frankfurt inszeniert hat und Hausregisseurin am Theater Bonn ist, geht es vielmehr darum, ein "Lebensgefühl in einer bestimmten Situation zu schildern". Mit ihrer Version beschwört sie eher den "Mythos Caligari", anstatt sich an der Filmvorlage abzuarbeiten. "Dann könnte man ja gleich ins Kino gehen." Und so entwickelt sich auf der Bühne ein Spiel zwischen Fantasie und Wahnsinn, zwischen Kopfgeburten und Kopfkino - und stellt die Geschlechtervorgabe des Originals auf den Kopf: Ihr Caligari wird von einer Frau (Juliane Lang) verkörpert. Die beiden Frauen haben bereits zusammen gearbeitet, und bei der Konzeption der Inszenierung habe sie "immer auch an Juliane als Hauptfigur denken müssen".

Im Mittelpunkt ihrer Inszenierung steht Francis, dessen Freund Alan ermordet wird, dessen Freundin Jane am Ende in einer Irrenanstalt sitzt. Francis sei eine "zutiefst verunsicherte Persönlichkeit, die überfordert ist von der Zeit, in der sie lebt, und die Angst davor hat, von anderen manipuliert zu werden", erklärt Buddeberg.
Und wie funktioniert ein Stummfilm auf der Bühne, jenem Raum, der das Wort für die Verständlichkeit geradezu einfordert? In der Tat sei es eine besondere Herausforderung gewesen, "in der Inszenierung plausibel zu machen, warum nicht gesprochen wird". Einerseits habe man auf der Bühne immer wieder das Bedürfnis, ein Spiel zu zeigen, das sich ohne Worte erklärt, andererseits gebe es "eine solche Fülle an Wörtern, die eine Verweigerung des Redens zur Folge haben kann". Der Rest ist also Schweigen.

Kein Film war jemals stumm: Von Anfang an spielte die Musik im Kino mit und eine wichtige Rolle - als Stimmungsverstärker, Gänsehauterzeuger, Tränendrüsendrücker. Stefan Paul Goetsch, in Freiburg geboren, Komponist und Musiker mit Wohnsitz Berlin, hat für den Trierer Caligari eine ganz neue Musik geschrieben, die vom Philharmonischen Orchester unter der Leitung von Wouter Padberg gespielt wird.
"Wenn schon die Akteure nicht sprechen, so tut es hier die Musik", erklärt er. Und die soll dem Zuschauer ein Gefühl von Vertigo vermitteln - ein Verweis auf jenen berühmten gleichnamigen Hitchcock-Film zwischen Wahn, Wunsch und Wirklichkeit?

Premiere ist am Samstag, 9. April, im Großen Haus des Theaters Trier. Weitere Aufführungen am 12., 23., 24. April, 4., 21. Mai und 4. Juni. Karten unter 0651/718-1818.Extra

 Alice Buddeberg.Foto: Theater Trier
Alice Buddeberg.Foto: Theater Trier Foto: (g_kultur

Bitburger, offizieller Partner des Theaters Trier, verlost gemeinsam mit dem Trierischen Volksfreund zweimal zwei Tickets für die Premiere. Zusätzlich gibt es noch dreimal zwei 5-Liter-Fassdosen Bitburger Premium Pils als "Prostpreis" zu gewinnen. Alle Teilnehmer und deren Begleitpersonen müssen mindestens 18 Jahre alt sein. Einfach per Telefon unter 0137/8226672 (50 ct pro Anruf aus dem dt. Festnetz, Mobilfunk abweichend) oder online unter mitmachen.volksfreund.de/cabinet/ bis heute, 24 Uhr, mitmachen. Die Gewinner werden benachrichtigt. red