| 20:42 Uhr

Klassisch abgerockt - Rockgrößen treffen in der Arena auf Sinfonieorchester

FOTO: (g_kultur
Trier. Rockgrößen der 70er und 80er treffen in der Arena Trier auf ein Sinfonieorchester. Der Rock gewinnt klar. Aber das ist okay so. Andreas Feichtner

Trier Man muss es leicht nehmen, irgendwie, auch wenn es bleischwer aufs Schulterblatt drückt. Die Show hat noch nicht richtig begonnen, da ist der Tod schon Thema. Auf der Leinwand wird an Rick Parfitt von "Status Quo" erinnert und an John Wetton (Asia, King Crimson). Beide waren vor zwei Jahren noch Teil von "Rock meets Classic". Beide waren unter 70. Beide starben vor wenigen Wochen.

Und der Soundtrack dazu, mit vollem Gitarrenbrett und orchestraler Wucht klingt so: "…. And I like it, I li-li-like it … here we go, rockin' all over the world." Das könnte pietätlos klingen, aber das ist es nicht. Es ist eine Hommage, mit dem alles andere als schwermütigen Status-Quo-Klassiker den knapp dreistündigen Abend zu eröffnen: Die Erde muss sich weiterdrehen, die Welt weiterrocken. Für Parfitt, für Wetton oder den ebenfalls 2016 verstorbenen Glenn Frey, dessen langjähriger Eagles-Kollege Don Felder am späteren Abend noch für einen großen Moment sorgen wird. Und, nicht zuletzt, für die rund 1500 Zuschauer in der Arena Trier, die zur Premiere der achten Auflage von "Rock meets Classic" gekommen sind. Mit Fontänen, Rauch und Konfettikanonen, mit vielen eher leisen Geigen und lauten Gibson Les Pauls.

Das Konzept der Reihe ist schnell erzählt: Rockband (hier: die Mat Sinner Band) trifft auch Sinfonieorchester (The Bohemian Symphonic Orchestra aus Prag). Internationale Rockgrößen adeln das Ganze mit Gastauftritten. Oder, anders: "Night of the Proms" mit mehr Wummms. Wenn man sich mit den Begebenheiten in der Arena arrangiert hat - das 40-köpfige Orchester ist nur zahlenmäßig überlegen, im Klangbild dominiert eindeutig die Band -, ergibt das einen kurzweiligen Abend, der vor allem nach der Pause immer besser wird.

"Das Lied ist Fluch und Segen zugleich", so kündigt Toto-Gründungsmitglied Steve Lukather den Hit "Africa" an, auch "Rosanna" und "Hold the Line" sind zu hören. Auch die übrigen Gaststars - mit Ausnahme von "Magnum" - haben ein, zwei, drei Songs, die sich im kollektiven Gedächtnis ganzer Generationen festgekrallt haben. Klar, dass Bernie Shaw von Uriah Heep bei "Lady in Black" keine Probleme hat, das Publikum zum Mitsingen zu bringen, der Mutter aller Zwei-Akkord-Lagerfeuer-Songs. Dass die Heep aber nicht nur Balladen können, demonstrieren sie mit "Easy Livin'". Viel straighter Hardrock aus den 70ern und 80ern, manchmal darf's auch etwas opulenter ausfallen, das ist die musikalische Essenz von Rock meets Classic. Das dokumentiert auch der Altersdurchschnitt.

Größter Name im Programm ist Gitarrist und Sänger Don Felder, der mit den Eagles riesige Erfolge gefeiert hat. Als er sich die Doppelhals-Gitarre umschnallt, ist klar, was kommt: "Hotel California" - und das wird spätestens ab dem zweistimmigen Gitarrensolo ein Höhepunkt des Abends. Für die größte Überraschung sorgt aber Rick Springfield, von dem man seit den 80ern nicht mehr so viel gehört hatte: Der herzte eine sichtlich gerührte Verehrerin in der ersten Reihe, turnte durchs Publikum, warf mit Rosen um sich und hatte eine fast kindliche Freude am Gig - nicht nur bei "Celebrate Youth" und "Jessie's Girl". Unglaublich, dass auch Springfield schon Ende 60 ist! Als Zugabe gibt's den nächsten Eagles-Klassiker, "Take it easy" mit allen Gaststars und insgesamt rund 50 Musikern auf der Bühne. Ist doch alles nicht so schwer. Spätestens da ist nun wirklich kein Platz mehr für Gedanken an den Tod.

Rockgitarrist Tom Naumann mit Sinfonieorchester im Hintergrund. Gaststars sind in diesem Jahr Steve Lukather und Rick Springfield (Bild oben) sowie Don Felder, jahrelang bei den „Eagles“ (unten). TV-Fotos (3): Andreas Feichtner
Rockgitarrist Tom Naumann mit Sinfonieorchester im Hintergrund. Gaststars sind in diesem Jahr Steve Lukather und Rick Springfield (Bild oben) sowie Don Felder, jahrelang bei den „Eagles“ (unten). TV-Fotos (3): Andreas Feichtner FOTO: (g_kultur
FOTO: (g_kultur