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Klavier erschlägt Geige: Alina Pogostkina im Kloster Machern

Gegen Diana Ketlers Klavierspiel hatte Alina Pogostkinas in der ersten Konzerthälfte kaum eine Chance. Foto: Mosel Musikfestival/Artur Feller
Gegen Diana Ketlers Klavierspiel hatte Alina Pogostkinas in der ersten Konzerthälfte kaum eine Chance. Foto: Mosel Musikfestival/Artur Feller
Bernkastel-Wehlen. Ein schlüssiges Programm haben Geigerin Alina Pogostkina, Klarinettist Reto Bieri und Pianistin Diana Ketler am Sonntag beim Mosel Musikfestival im Klostern Machern präsentiert. Der musikalische Eindruck hingegen war zwiespältig.

Bernkastel-Wehlen. Beethovens "Wut über den verlorenen Groschen" ist bekannt. Was Diana Ketler erzürnte, als sie in seiner Sonate Nr. 4 a-Moll, opus 23, im Kloster Machern Alina Pogostkinas wunderbares Geigenspiel unter klanggewaltigen Akkorden und donnernden Läufen begrub, bleibt ungewiss. Die pianistische Gegenrede der in London lebenden Lettin trug jedenfalls nichts zu jenem weltgewandten, zündenden, bisweilen dramatischen Dialog bei, den die Sonate ermöglicht. Das waren musikalische Totschlagargumente. Da mochte sich Alina Pogostkinas schöner Geigenton noch so mühen.
Überhaupt hatte der erste Teil des Konzerts, dem etwa 150 Besucher zuhörten, stellenweise eher etwas von musikalischer Gegenwehr als von dialogischem Miteinander. Auch die feinsinnige, virtuose Klarinette von Reto Bieri, die so herrlich singen und sich sehnen kann, hatte in Claude Debussys "Rhapsodie für Klarinette und Klavier" jede Menge Mühe, dem übermächtigen Klavier standzuhalten. Ziemlich handfest geriet dem Trio auch das fein gewirkte Gewebe des Adagios aus Alban Bergs berühmtem Kammerkonzert.
Und dann die Wende: Zur musikalischen Wetterscheide wurde die Pause. Wie weggeblasen schien, was vorher das Zusammenspiel des Trios gestört hatte. Feinabstimmung und Dialog waren angesagt. Endlich wurde erlebbar, was für hervorragende Musiker dort zu Gast waren. In impressionistischer Klarheit schimmerte der Schnee in der zeitgenössischen Komposition der Lettin Santa Ratniece "In this white snow the pearls are lost". Wunderbar nachdenklich, zuweilen verklärt, spielte Diana Ketler anschließend "Vier kleine Klavierstücke" von Franz Liszt.
Schließlich das furiose Ende: Béla Bartóks "Kontraste für Violine, Klarinette und Klavier", eine hochspannende Mischung aus Volkstänzen und Jazz, die der Ungar in der Neuen Welt voll Sehnsucht nach der Alten geschrieben hatte. Dynamisch, klangsinnlich, dabei voll Lust am Spiel und mit geradezu explosivem Temperament riss das Trio sein Publikum mit. Das dankte mit herzlichem Applaus. er