Kleine Schritte zur Großregion

Kleine Schritte zur Großregion

Vielleicht ist die Vision vom Zusammenrücken der regionalen Musikkulturen allzu optimistisch - jedenfalls werden dazu auch skeptische Stimmen laut. Beim Chor Ambitus aus Echternach kommen zwei der 32 Chormitglieder aus Deutschland.

Wasserbillig/Echternach. "Wir sind ein luxemburgischer Chor." Dirigent Roby Schiltz sagt das zwar nüchtern und ohne nationale Emphase, aber doch ganz bestimmt. Immerhin residiert der Chor mit dem anspruchsvollen Namen "Ambitus" nach Neugründung und Neubenennung jetzt im grenznahen Echternach. Trotzdem ist die deutsche Beteiligung gering - bislang jedenfalls. Genau zwei der 18 Sängerinnen und 14 Sänger kommen aus der Region Trier.
Gegründet wurde der Ambitus als Vokalensemble Berdorf im Jahr 1968, und zwar in Berdorf bei Echternach. Mitten in der luxemburgischen Provinz also und zu einer Zeit, in der an der Grenze die Fahrzeuge immer mal wieder genauestens auf Schmuggelware untersucht wurden und die Endphase des Kriegs in Luxemburg keineswegs vergessen war.
Roby Schiltz, Organist in Berdorf, von Hause aus Grundschullehrer und als Musiker Schüler von Albert Le Blanc (Orgel) und Pierre Cao (Chordirigieren), hatte aus seinem Kirchenchor ein Doppelquartett ausgegründet - vier Damen und vier Herren. Die sangen zunächst Gesellschaftslieder der Renaissance, wohl hauptsächlich zum eigenen Vergnügen. Solch ein vergleichsweise intimes Repertoire genügte indes weder dem Chorleiter noch den Akteuren.
43 Jahre nach seiner Gründung ist der Ambitus auf 32 Mitglieder angewachsen und hat sich auf Romantik und Moderne konzentriert - das "Deutsche Requiem" von Brahms, Arthur Honeggers "Le Roi David", Arvo Pärt, Zoltan Kodaly, Carl Orff und mit einem originellen Konzert im vergangenen Juni auch Gioachino Rossini. Eine Passionsvertonung des Luxemburgers Jean-Pierre Kemmer von 1980 befindet sich gleichfalls auf der Agenda. Nicht immer steht der Ambitus dann allein auf der Bühne. Beim anstehenden Projekt, Orffs "Carmina Burana", wird er Kern eines Projektchors sein. Der tritt am 17. Juni in Konsdorf bei Echternach auf.
Weibliches Klangvolumen


Probe im Wasserbilliger Kulturzentrum, an diesem Tag Ausweichlokal für den Ambitus: Roby Schiltz ist alles in einer Person - Dirigent, Klavierbegleiter und gelegentlich auch Sänger. Dann demonstriert er mit seinem hellen Tenor, wie es klingen müsste, und in der Tat, es klingt im Chor danach anders. Klangvolumen bieten vor allem die Damen genug. Der Dirigent feilt darum vor allem an der rhythmischen Präzision, der Deutlichkeit, der markanten Artikulation. Und bei aller Unfertigkeit in dieser frühen Probenphase zeichnet sich doch deutlich ein künstlerisches Konzept ab. Roby Schiltz zielt auf die bisweilen sarkastische, bisweilen humorvolle Distanz zum lateinischen Text, die Orff so eindrucksvoll mitkomponiert hat. So musiziert sind die "Carmina", zu Deutsch "Lieder", wie ein Blick aus der Neuzeit aufs Mittelalter - nicht romantisch idealisierend, sondern nüchtern und trotz der Klangstärke völlig unpathetisch.
Philharmonie im Blick



Was strahlt vom Trierer Kulturleben auf die Sängerinnen und Sänger im grenznahen Luxemburg aus? Die Antworten fallen zögernd aus. Ja, es gebe Interesse am Trierer Theater, und immerhin: Bei der Uraufführung von Joachim Reidenbachs "Hohelied"-Vertonung in St. Paulin vor einigen Jahren war Schiltz als Solist dabei. Eindeutiger Orientierungsrahmen bleibt dennoch das Luxemburger Kulturleben. "Wir schauen auf die Philharmonie", sagt Roby Schiltz dazu halb entschuldigend. Ansätze zu einer Integration von Sängern jenseits der Sauer gibt es, aber sie bleiben noch vereinzelt. Der "Ambitus", Fachbegriff für Tonumfang, aber selbstverständlich auch als räumliche Erweiterung verstehbar, er bleibt bis jetzt noch begrenzt.Extra

Name: Ambitus (früher Vokalensemble Berdorf). Ambitus oder Tonumfang bezeichnet die Spannweite zwischen dem höchsten und dem tiefsten Ton. Gründungsjahr: 1968 Mitglieder: 32 Probentermin: Montag, 20 Uhr Kontaktadresse: robert. schiltz@education.lu