Kleiner Mann, große Stimme

Kleiner Mann, große Stimme

Knapp 2200 Menschen waren zur Burg Beaufort in Luxemburg gekommen, um den englischen Sänger James Blunt live zu erleben. Dabei gab\'s nicht nur Kuschelrock für Verliebte, sondern auch viel Tanzbares und eine feine Prise britischen Humors.

Beaufort/Luxemburg. Es erklingt das mystische Trompetenthema aus Richard Strauss\' "Also sprach Zarathustra", das spätestens seit Stanley Kubricks Film "2001: Odyssee im Weltraum" mit Sternen und Planeten in Verbindung gebracht wird. Aus dem Dunkel der Bühne erscheint James Blunt mit seiner Band, alle im Astronauten-Overall mit britischer Flagge. Passend zum Titel des aktuellen Albums und der Tour "Moon Landing" (Mondlandung).
Der Sänger setzt sich ans Klavier und spielt als ersten Song des Abends "Face the Sun", der romantisch verträumt nur mit Klavier beginnt und sich im letzten Drittel durch den Einsatz der Gitarren zu einem dynamischen Rocksong steigert. Danach begrüßt Blunt das Publikum in Luxemburg mit einem landestypischen "Moien".
Es folgen bekannte Hits wie "Wisemen" und "High". Die Fans singen textsicher mit. Bei der Ballade "Carry You Home" packt Blunt dann seine Ukulele aus: "Ich habe meine kleine Gitarre dabei, damit ich größer aussehe", lacht der 1,70 Meter große Sänger. Das sei auch der Grund, warum die Band auf höheren Podesten stehe.
Aber nicht nur das Bühnenbild macht Eindruck, auch die perfekt abgestimmte Lichtshow. Bei der Ballade "Goodbye My Lover" sitzt James Blunt allein am Klavier und wird nur von zwei lilafarbenen Spots angeleuchtet. Das Publikum ist tief berührt. Kein Wunder bei den Textzeilen: "Ich liebe dich, ich schwöre es. Ich kann nicht ohne dich leben. Auf Wiedersehen, meine Geliebte." Der anschließende Applaus der Zuschauer bringt die Tribüne zum Wackeln - so begeistert ist das Publikum.
Blunt kann aber auch anders: Bei der schnelleren Nummer "I\'ll Take Everything" mit elektrischen Klängen steht der Sänger am Klavier und wiegt seinen Körper rhythmisch zur Musik. Auch das Licht von Lasern kommt zum Einsatz. Bei seinem Song "Heart to Heart" vom aktuellen Album erreicht die Stimmung ihren Höhepunkt. Schon längst sind alle von ihren Stühlen aufgesprungen und klatschen im Takt.
Als der Brite "You\'re Beautiful" anstimmt, das Lied, mit dem er bekannt wurde, schreit jemand "Ich liebe dich".
Dass er einmal eine so große Popularität erreichen würde, hätte der heute 40-Jährige vor fast zehn Jahren wohl nicht gedacht. Der Engländer stammt aus einer militärisch geprägten Familie, in der die Musik keine Rolle spielte. Auch Blunt wurde Offizier der Life Guards, des ältesten englischen Gardekavallerie-Regiments, und diente sogar im Kosovo.
Bei den Einsätzen hatte er stets seine Gitarre im Gepäck und beendete schließlich 2002 nach sechs Jahren den Militärdienst. Wenig später entdeckte ihn die ehemalige "4 Non Blondes"-Sängerin Linda Perry, die bereits Songs für Pink und Christina Aguilera geschrieben und produziert hatte.
"You\'re Beautiful" erreicht 2005 Platz eins der amerikanischen und britischen Charts. In Deutschland steigt der Titel bis auf Platz zwei. Sein aktuelles Album "Moon Landing" handelt von Sehnsucht und der ersten Liebe. Mit "Bonfire Heart" hat er nun auch einen Nummer-Eins-Hit in Deutschland. In Beaufort spielt Blunt den Titel als Zugabe, und die Menge tobt: Damit hat er wohl einige Herzen entfacht, wie in dem Song beschrieben. jwa

Mehr von Volksfreund