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Kleiner Rahmen, hohes Niveau

Kleiner Rahmen, hohes Niveau

TRIER. Zum offiziellen Auftakt des Mozart-Jahres lud der Verein der Freunde künstlerischer Veranstaltungen im Bischöflichen Dom- und Diözesanmuseum am 250. Geburtstag des Komponisten zu einem Klavierabend ein.

Es war ein Konzert fernab von allem medialen Rummel um "Wolferl", den wir in diesen Tagen und wohl noch bis zum Ende des Jahres über uns ergehen lassen müssen. Ein Flügel, ein Pianist, vielleicht um die 200 interessierte Zuhörer in einem kunstvoll eingerichteten, aber doch eher asketisch anmutenden Raum - intimer und konzentrierter geht es wohl nicht. Ein solches Ambiente birgt aber auch Tücken in sich, vor allem wenn es um die Musik von Wolfgang Amadeus Mozart geht. Kaum ein anderer Komponist lässt den oder die Interpreten so allein, so exponiert und geradezu entblößt. Auch der kleinste Ausrutscher, die geringste Unebenheit wird nicht von einem Klangrausch etwa à la Rachmaninow überdeckt. Dazu später mehr. Wolfgang Manz, dem Trierer Konzertpublikum kein Unbekannter, hatte drei Klaviersonaten, ein Variationenwerk und eine Fantasie aus verschiedenen Schaffensperioden Mozarts ausgewählt. Den Anfang machte die Sonate Es-Dur KV 282 aus der Salzburger Zeit. Das als Kopfsatz ungewöhnliche Adagio, gefolgt von einem Menuett und einem Allegro, zeigte es gleich: Langsame Sätze, zumindest die Mozarts, scheinen Manz besonders zu liegen. Das einleitende Allegro und das abschließende Allegretto grazioso der herrlichen Sonate B-Dur KV 333 dagegen ließen hörbar werden, dass die fein ziselierten Passagen vielleicht nicht so ganz die Sache dieses Pianisten sind. Graziös klang der Schlusssatz eher nicht. Und wenn schnelle Sätze drängend klingen, ist das oft durchaus angebracht. Gehetzt sollte es aber nie wirken.Höhepunkt: Variationen aus Gluck-Oper

Nach der Pause erklangen die Variationen in G-Dur über das Thema "Unser dummer Pöbel meint" aus Glucks Oper "Die Pilger von Mekka." Dieses oft Beethoven vorausahnende Werk war eindeutig der Höhepunkt des Abends. Und es zeigte, wie auch die der abschließenden Sonate c-Moll KV 457 voran gestellte Fantasie c-Moll KV 475, dass Manz in den freieren Formen, im Gegensatz zu den strenger gearbeiteten Sonatenecksätzen, in seinem Element ist. Dass Wolfgang Manz zu allen Stücken ein paar einleitende Worte sagte und dabei das Angesprochene hier und da auch am Klavier demonstrierte, trug zum intimen Charakter des Abends bei. Etwas problematisch dagegen waren die Briefe von Mozarts Vater Leopold, aus denen Barbara Ullmann vom Theater Trier las. Das mag im Radio oder Fernsehen funktionieren, unterlegt mit Musik und passenden Bildern. Hier aber ließen die Texte keinen Zusammenhang mit der vorher und nachher gehörten Musik erkennen und lenkten eher ab. Auf eine Gage hatte Manz verzichtet und begnügte sich stattdessen mit einer Flasche Bischöflichen Sekts. Gesamteindruck des Abends: Ein gelungener Auftakt zum Mozart-Jahr in Trier, und man darf sich auf die weiteren Konzerte freuen.