Kleines Haus mit großem Programm

Kleines Haus mit großem Programm

Das Trifolion in Echternach wächst weiter. Nicht nur hatte das Kulturzentrum in dem luxemburgischen Grenzstädtchen in der vergangenen Saison so viele Besucher wie noch nie. Es kommen auch neue Aufgaben hinzu.

Echternach Nach einem erfolgreichen ersten Halbjahr mit mehr als 21 000 Besuchern setzt das Trifolion in Echternach in seinem neuen Programm auf seine bisherigen Stärken: Veranstaltungsreihen mit eigenem Profil, die Einbindung von Menschen vor Ort und die Bereitschaft, im zunehmend gesättigten Kulturmarkt Neues auszuprobieren. Die Reihe "Horizonte" hatte dem Kulturzentrum in der vergangenen Saison knapp 2000 Besucher beschert - so viele wie noch nie. Unter den Gästen auf dem Podium waren neben Philosoph Peter Sloterdijk auch Kardinal Reinhard Marx und Wolfgang Huber, ehemaliger Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland. "Wir widmen das Sommerhalbjahr traditionell dem gesprochenen Wort", erklärt Direktor Ralf Britten, als Dialog oder Streitgespräch auf der Bühne. Der Winter gelte dem geschriebenen Wort. 20 Prozent der Trifolion-Gäste kommen aus Deutschland. Das scheint nicht viel, wenn man bedenkt, welch breiten Raum deutschsprachige Veranstaltungen im Programm einnehmen. Britten sieht großes Potenzial darin, auch grenzüberschreitend Kooperationspartner zu finden. Wichtig sei, das eigene Profil zu schärfen und nicht auf die immergleichen Stars zu setzen, die viele Kulturanbieter austauschbar mache. "Alle Veranstalter wollen Lang Lang", so Britten, "dabei wird der dann zum Massenkonsum."Eine vorsichtige Annäherung jenseits der Grenze bahnt sich mit dem Festival Echternach an. Dieses renommierte Klassik-Festival wird neuerdings aus dem Trifolion organisatorisch mitbetreut - künstlerisch ist es aber weiterhin selbstständig. Zehn Mitarbeiter beschäftigt das Trifolion zurzeit, die auch für das Stadtmarketing Echternachs mitverantwortlich sind.In der Reihe "Literatur" geht es diesmal mit prominenten Gästen um seelische Gesundheit und jeweils auch um einen Blick in die Geschichte. So wird Schauspieler Axel Milberg (18. Januar 2018, 20 Uhr) aus Stefan Zweigs bekanntestem Werk "Die Schachnovelle" lesen. Der Kieler "Tatort"-Kommissar entführt das Publikum auf einen Passagierdampfer zwischen Europa und Buenos Aires. Beim Schachspiel werden dem Erzähler längst vergrabene Erinnerungen lebendig, an den Terror und seine Inhaftierung durch die Nazis, die seine seelische Gesundheit bedrohen und alte Wunden wieder aufreißen. In die deutsche Vergangenheit blickt auch der Historiker Hermann Simon (1. Februar 2018, 20 Uhr), der aus den Memoiren seiner jüdischen Mutter liest. Die Geschichte handelt von einer jungen Frau, die in Berlin die Jahre 1940 bis 1945 überlebt. Simon erzählt mit viel Witz und Charme die abenteuerliche Lebensgeschichte der jungen Marie Jalowicz Simon, die sich Tag für Tag durchschlagen muss. Immer wieder retten sie ihr Mut und ihre Schlagfertigkeit, mit der sie die kuriosesten Situationen meistert und den seltsamsten Menschen begegnet. Der Charakter-Schauspieler und Grimme-Preisträger Ulrich Noethen (24. Februar 2018, 20 Uhr) widmet sich der Autorin Virginia Woolf. Dass Genie und psychische Leiden sehr nahe beieinanderliegen, verdeutlicht kaum eine Schriftstellerin so anschaulich wie sie. Die britische Autorin gilt nicht nur als Vorreiterin der Frauenbewegung und als untypisch für Frauen ihrer Zeit, sondern auch als eine der größten psychologischen Erzählerinnen der Weltliteratur. Eine düstere Vergangenheit greift die Ausstellung "Between Shade and Darkness" auf, in der es um die Auseinandersetzung mit der Geschichte der Juden in Luxemburg geht. Die Veranstalter wollen dazu anregen, sich vor Ort lokal mit der Geschichte auseinanderzusetzen. Die Luxemburger Vereinigung MemoShoah asbl engagiert sich für Projekte, die zur Aufarbeitung und zum Verständnis der Shoah beitragen - insbesondere im Hinblick auf die Luxemburger Opfer. Radikal modern wird es dann mit der Ausstellung zu fraktaler Kunst des international bekannten Künstlers und Physikers Bernd Preiss (Frankfurt am Main/Fréjus, Frankreich), in der Malerei, Physik und Mathematik verschmelzen. Der durch den Mathematiker Benoit Mandelbrot geprägte Begriff "Fraktal" bezeichnet Objekte, bei denen das Ganze seinen Einzelbestandteilen ähnelt, wie sie sowohl in der Natur als auch in der mathematischen Theorie vorkommen - ein universales Thema, das das Trifolion auch in speziellen Veranstaltungen jungen Leuten nahebringen will. An junge Besucher richten sich auch zahlreiche weitere Veranstaltungen in der kommenden Saison: Goldmädchen-Traffik Theater Luxemburg, 15. Oktober, 16 Uhr; "Die Kleine Zauberflöte - Opernwerkstatt am Rhein, 19. November, 15 Uhr; Peter Pan - Das Musical, 25. November, 15 Uhr; "Fenrir, de Risewollef", 25. Februar 2018, 15 Uhr. Ausverkauft ist bereits "Pippi plündert den Weihnachtsbaum" am 17. Dezember. Auch mehrere klassische Konzerte sind geplant, darunter am 27. Januar ein großes Konzert zum Internationalen Holocaust-Gedenktag. Eserinnert an die Shoah und Verfolgung der Juden in Luxemburg. Alle Veranstaltungen auf <%LINK auto="true" href="http://www.trifolion.lu" text="www.trifolion.lu" class="more"%>Karten gibt es im TV-Service-Center Trier, unter der TV-Tickethotline 0651/7199-996 sowie unter <%LINK auto="true" href="http://www.volksfreund.de/tickets" text="www.volksfreund.de/tickets" class="more"%>Zu ausgewählten Veranstaltungen im Trifolion fährt ab Trier ein Shuttle-Bus. Anmeldung und Info-Service: Evelyn Czesla, Telefon 0651/96686432.Extra: UNTERHALTUNG IN DER SAISON 2017/18

Foto: Daniel John (daj) ("TV-Upload John"
Foto: (g_kultur
Foto: (g_kultur

Chanson-Sängerin Adrienne Haan präsentiert in ihrer Show "Rock le Cabaret" am 22. September, 20 Uhr, französische Chanson als fetzige Rock-Nummern. Für Entertainment sorgen zudem Shows wie The 12 Tenors (3. Januar 2018, 20 Uhr), die irische Dance-Company Rhythm of the Dance (20. Januar 2018, 20 Uhr), Revival-Musical Abba Gold (4. Januar, 20 Uhr), "The Best of Musicals" (10. Januar, 20 Uhr) oder die Live-Kochshow des Starkochs Christian Henze (21. November, 20 Uhr). Die Christmas Stars stimmen am 10. Dezember, 16 Uhr, auf Weihnachten ein.