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Kluftinger und der Regionalkrimi

Michael Kobr (links) und Volker Klüpfel lesen in Wittlich aus ihrem Krimi „Schutzpatron“ vor. TV-Foto: Alexander Schumitz
Michael Kobr (links) und Volker Klüpfel lesen in Wittlich aus ihrem Krimi „Schutzpatron“ vor. TV-Foto: Alexander Schumitz
Wittlich. Kluftinger besucht das Eifel-Literaturfestival Wittlich: Michael Kobr und Volker Klüpfel spielen in der Aula des Cusanus-Gymnasiums Szenen aus ihrem aktuellen Krimi "Schutzpatron". Augenzwinkernd analysieren sie das Genre Regionalkrimi.

Wittlich. Keine Frage: Das Autorenduo Michael Kobr und Volker Klüpfel ist in Deutschland mit seinen Krimis rund um den Kriminalkommissar Kluftinger aus Kempten sehr erfolgreich. Das beweist eine Auflage von 3,7 Millionen verkauften Büchern. Nur im Ausland ist die Nachfrage nicht so groß, bedauern beide.
Gemeinsam spüren sie beim Eifel-Lieraturfestival in Wittlich vor 600 Zuhörern der Frage nach, ob das vielleicht an den Übersetzungen liegt. Mithilfe eines Programms übersetzen sie eine Passage ihres Romans "Schutzpatron" aus dem Tschechischen zurück ins Deutsche. Mit niederschmetterndem Ergebnis.
Schuld könnte aber auch das Genre sein, meint Klüpfel: "Regionalkrimi klingt nach Provinz." Kluftinger sei aber nicht provinziell, für seine Ermittlungen verfolgt er den Schutzpatron, eine Monstranz, zugleich aber auch das Pseudonym für einen ausgebufften Ganoven, sogar bis Wien.
Augenzwinkernd lesen Kobr und Klüpfel die Passage vor, in der Kluftinger in die österreichische Hauptstadt fliegt. Klüpfel imitiert einen Piloten, der die Flugroute erklärt. Kobr alias Kluftinger sortiert zeitgleich seine mit an Bord genommene Brotzeit so, wie der Kapitän die Flugrichtung beschreibt. Gutgehen kann das natürlich nicht: Denn es gibt dazu kein Bier, sondern Tomatensaft. "Ja, so was trinkt man gemeinhin in Flugzeugen", sagt Kollege Maier alias Klüpfel tröstend.
Einfaches Rezept


Nein, das ist nicht der Stoff, aus dem Regionalkrimis gestrickt werden. Deren Rezept ist einfach: Man nehme einen Toten, etwa einen unbequemen Ökobauern, eine schnippische Journalistin, einen korrupten Bauunternehmer oder Ortsbürgermeister und eine gierige Verwandtschaft. Die Mischung würze man mit einem Kriminalkommissar, der beim Ermittteln noch ein wenig Hilfe braucht, um schließlich das Verbrechen aufzuklären. Serviert wird die Story in einer bestimmten Region mit hohem Wiedererkennungswert. Und fertig ist der Regionalkrimi - zumindest, wenn man Volker Klüpfel glauben darf. Szenisch setzt er das Rezept mit seinem Co-Autor Michael Kobr auf der Bühne um.
Kobr und Klüpfel spielen mit Klischees, nehmen sich selbst nicht zu ernst und unterhalten die Zuhörer im Wittlicher Cusanus-Gymnasium mit frischer Comedy rund um einen Kommissar, der seinen Marktort Altusried im Oberallgäu, seine Käsespätzle und seine Frau Erika liebt. Die Zuschauer lachen viel und unterbrechen die zwei Krimi-Komödianten immer wieder mit Szenenapplaus. Da ist dann auch die Frage, wie der Absatz der Bücher im Ausland gesteigert werden kann, nebensächlich. In Wittlich haben die Autoren 600 Fans dazugewonnen. itz