Königin der Instrumente

Königin der Instrumente

Die griechische Organistin Ourania Gassiou spielt am Sonntag in Kyllburg. Ihre Karriere ist für eine Griechin sehr ungewöhnlich.

Kyllburg Wer in Griechenland Orgel spielen will, muss erst mal ein Instrument finden. Etwa 14 Stück gibt es momentan im ganzen Land. Denn was in Deutschland als "Königin der Instrumente" das höchste der religiösen Gefühle musikalisch umsetzt, ist in Griechenland fast gottlos. "In der griechisch-orthodoxen Kirchenmusik gibt es keine Instrumente, alles ist a-cappella", erzählt die Organistin Ourania Gassiou. "Manche Griechen wissen nicht mal, was eine Orgel ist."
Auch für Gassiou gab die Orgel lange nicht den Ton an. Sie wollte eigentlich Pianistin werden. In ihrer Familie gab es zwar keine anderen Musiker, aber im Elternhaus hörte sie schon als Kind die Klassiker, Brahms, Schubert, griff bald selbst in die Tasten. In den 1990er Jahren baute dann die renommierte Firma Klais aus Bonn eine große Orgel für den Athener Konzertsaal "Megaro Mousikis". Als Gassiou zum ersten Mal sah und vor allem hörte, wie der britische Organist Nicolas Kynaston das Instrument spielte, verliebte sie sich - in die Orgel. "Diese Vielfalt von Klängen und Farben, die man als Organist bis ins kleinste Detail selbst gestalten kann, fasziniert mich bis heute."
Fast alle griechischen Organisten haben das Instrument damals über ein Stipendium bei Kynaston erlernt. Oder besser: fast alle Organistinnen. Denn anders als in Deutschland oder England sind es in Griechenland in erster Linie Frauen, die das Instrument spielen. Woher kommt das?
"Das kann Zufall sein, da es bei uns ja insgesamt nur so wenige Organisten gibt", sagt Gassiou. "Vielleicht hängt es aber auch damit zusammen, dass die Orgel in Griechenland nicht so stark kirchlich konnotiert ist wie in anderen Ländern. Und die Kirche ist ja eine klassische Männerdomäne."
Mittlerweile hat Gassiou ihren alten Lehrer Kynaston als Organistin der Athener Konzerthalle abgelöst. Darum müsste sie sich beim Himmeroder Orgelsommer wohlfühlen - denn auch in der Abteikirche steht eine Klais-Orgel. Doch wegen eines Feuers in der Kirche vor wenigen Tagen muss das Konzert am Sonntag, 30. Juli, nach Kyllburg verlegt werden (siehe Info).
Dazu muss aber erst mal die Kyllburger Orgel getestet werden. "Das ist ein ganz besonderes Instrument, das aus zwei anderen Orgeln zusammengebaut wurde", erzählt Gassiou. "Aber sie hat nur zwei statt vier Klaviaturen." Darum ist Gassiou nicht sicher, ob sie ihr geplantes Programm mit Stücken von César Franck und Felix Mendelssohn überhaupt darauf spielen kann. "Aber ich bin sehr froh, dass das Konzert trotz allem stattfindet."Extra: ORGEL-KONZERT WIRD VERLEGT


In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch hat es in der Himmeroder Abteikirche im Bereich hinter der Orgel gebrannt (der TV berichtete). Darum muss das Konzert der griechischen Organistin Ourania Gassiou verlegt werden: Der Himmeroder Orgelsommer ist am Sonntag, 30. Juli, zu Gast in der Stiftskirche Kyllburg. Das Konzert beginnt nicht wie geplant um 15 Uhr, sondern um 15.30 Uhr. Der Eintritt ist kostenlos. Die Veranstalter bitten jedoch um kleine Spenden, die der Himmeroder Abteikirche zugute kommen sollen.