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Kolumne Die Kulturwoche: Campino schreibt jetzt auch

Kolumne : Frauen in den Graben – und Campino zur Buchmesse

In deutschen Orchestern geben immer mehr Frauen den Ton an. „Die Zukunft der Orchester ist weiblich“, erklärte Gerald Mertens, Geschäftsführer der Deutschen Orchestervereinigung, in Berlin. Während früher fast ausschließlich Männer in Berufsorchestern spielten, betrage der Frauenanteil heute 41 Prozent: „In absehbarer Zeit werden Frauen dominieren.“ Was das Philharmonische Orchester der Stadt Trier angeht – da ist die Zukunft schon Gegenwart: 41,7 Prozent der Musiker sind Musikerinnen – und das nicht nur auf den Plätzen der Geigen, dem „Mädcheninstrument“ schlechthin (so jedenfalls das Argument vieler Jungs, die sich weigern, die Kunst der Fiedel zu erlernen, sondern das Schlagzeug bevorzugen).

In den Streichergruppen sind und waren die Frauen ohnehin schon länger führend: Bei den 1. und 2. Violinen gibt es fast doppelt so viele Frauen wie Männer. Bei den Bratschen liegen beide Geschlechter im Tutti derzeit fast gleichauf. Flöten und Harfen sind vorwiegend in Frauenhand. Beim Schlagwerk und den Blechbläsern dominieren die Männer. In Trier greifen längst auch Damen zu das Lungenvolumen erweiternden Instrumenten wie Horn, Trompete und Posaune. Ein Blick in die Statistik bestätigt: 1971 waren nur knapp sechs Prozent der Orchestermitglieder Frauen. Bis 1987 verdoppelte sich dieser Anteil. Gut drei Jahrzehnte später ist man jenseits der 40-Prozent-Marke angelangt. In der Altersgruppe zwischen 25 und 45 Jahren dominieren die Frauen, während die Männer bei älteren Jahrgängen noch eindeutig überwiegen. Mit dem Ausscheiden älterer Musiker wird sich dieser Trend in den kommenden Jahren aber verändern. Zudem gibt es schon seit 2001 mehr weiblichen als männlichen Nachwuchs in den Musikhochschulen. Auch am Pult reißen immer mehr Mädels ihren männlichen Kollegen den Taktstock aus der Hand: Wie viele es weltweit exakt sind, kann nur gemutmaßt werden. Aber dreistellig ist die Zahl mittlerweile gewiss.

Die Toten Hosen freilich sind nach wie vor eine reine Männerbastion. Und daran wird sich zu Lebzeiten der Düsseldorfer Rock- und Punkband nichts mehr ändern. Was sich allerdings ändert ist die Tatsache, dass zumindest eines der Mitglieder nicht nur zur Gitarre, sondern auch zur Feder gegriffen hat: Tote-Hosen-Frontmann Campino (57) hat sein erstes Buch geschrieben. Es werde im kommenden Herbst erscheinen, teilten der Piper Verlag und die Toten Hosen mit. „Hope Street. Wie ich einmal englischer Meister wurde“ – so soll das autobiografische Werk heißen. Es handele von der Leidenschaft Campinos zum FC Liverpool, von seiner englischen Familie und dem Land, aus dem seine Mutter stammt, sagt der Autor.

„Als sechstes von sieben Kindern einer Engländerin und eines Deutschen, die sich unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg kennengelernt haben, bin ich in meinem Verhältnis zu beiden Ländern mit jeder Menge widersprüchlicher Gefühle groß geworden“, erzählt Andreas Frege, der nur des gleichnamigen Lutschbonbons wegen sein Künstler-Alias gewählt hat, über sein Buch. Es wird auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt – wenn bis dahin das Coronavirus in die Schranken gewiesen sein wird (der Satz musste sein, denn wann hat man an dieser Stelle schon mal die Gelegenheit, das Futur II zu verwenden?). Und nach der sich daran anschließenden Lesetour dürfen die Toten-Hosen-Fans sich bestimmt wieder auf eine Konzerttour freuen …

Rainer Nolden (mit Material von dpa)