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Kolumne Die Kulturwoche über das Maus-Jubiläum und Mariele Millowitsch

Kolumne : Silber für ein Nagetier, Doktorarbeit für einen Hund

Beginnen wir mit einem Klischee: Es soll Frauen geben, die entsetzt auf einen Stuhl bzw. einen höher gelegenen Gegenstand springen, um direkten Kontakt zum Boden zu vermeiden, wenn über diesen ein grauer Nager huscht.

Mäuse gehören – wie Spinnen – in der Regel nicht gerade zu den vom weiblichen Geschlecht bevorzugten Haustieren. Eine einzige Ausnahme gibt es allerdings, die ausnahmslos alle niedlich finden – nämlich die Maus aus der gleichnamigen Sendung vom WDR. Die wird im nächsten Jahr 50 – ein geradezu biblisches Alter für ein Nagetier. Aber nicht nur das war der Grund dafür, dass das Bundeskabinett dazu bewogen hat, eine 20-Euro-Gedenkmünze herauszugeben, um die Verdienste des Tieres zu würdigen. Die Bundesregierung wolle damit danke sagen für eine Sendung, die „mit viel Humor, und damit vielleicht gerade besonders ernsthaft“ auf Kinder in ihrer Neugier und Wissbegier zugehe, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Auch Kabinettsmitglieder seien mal kleine Kinder gewesen (wenn das auch beim Blick in einige Gesichter nicht ganz so leicht vorstellbar ist). „Es ist also damit zu rechnen, dass auch bei Kabinettsmitgliedern ein Gutteil ihres Kinderwissens vielleicht gerade aus den Lach- und Sachgeschichten der Maus entstanden ist.“ WDR-Programmdirektor Jörg Schönenborn freut sich über die Münze, die „ein grandioses vorzeitiges Geburtstagsgeschenk“ sei. Auf der A-Seite der Münze ist die Maus zu sehen, die ein Geschenk im Arm hat – Geburtstag eben. Das Tier „schaut verschmitzt in die Richtung des Geschenks und strahlt ihre Neugierde – eine zentrale Eigenschaft der Figur - aus.“ In den Rand der Münze wird der Untertitel der Sendung graviert: „Lach- und Sachgeschichten“.

Bleiben wir im Tierreich, zumindest ein bisschen. Schauspielerin Mariele Millowitsch zeichnet sich in ihrer Rolle als toughe Ermittlerin Marie Brandt unter anderem dadurch aus, dass sie im jeweiligen Vorspann der Sendung mit beiden Händen gleichzeitig schreiben kann. Dass die Tochter aus berühmtem Hause eigentlich gar nicht in die Fußstapfen von Papa Willi treten wollte, hat dann trotz Studium der Tiermedizin nicht geklappt. Zumindest ihre Doktorarbeit hatte einen ausgeprägt biografischen Hintergrund: Ihr Dackel Sophie hatte eine Lähmung durch eine Bandscheiben-Erkrankung, erzählte die 64-Jährige in einem Interview. Sie habe deshalb ein Verfahren ausgewertet, was die Lähmung aufheben soll. „Sophie wurde wieder gesund.“ Dass sie für ihre Dissertation nur ein „cum laude“, also ein „Befriedigend“ erhielt, spielte dann kaum noch eine Rolle. Dackel Sophie jedenfalls konnte wieder problemlos Gassi gehen.

25 Jahre ist es her, dass der Berliner Reichstag für ein paar Wochen hinter blickdichten Planen verschwand. Es war das Werk des Künstlerpaares Jeanne-Claude (1935 – 2009) und Christo, der am 31. Mai dieses Jahres in New York gestorben ist. Die als „Wrapped Reichstag“ bezeichnete Verhüllung des späteren Bundestages vor 25 Jahren war aus Sicht der damaligen Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth „eine friedliche Botschaft an Berlin und die Welt“. Das berühmte Kunstwerk von Christo und Jeanne-Claude habe für ein anderes Land gestanden. „Das war nicht das aggressive Deutschland. Es war eine Botschaft von Kunst und Kultur, die in die Welt ausstrahlte“, sagte Süssmuth (83). Sie hatte die Zustimmung für das jahrzehntelang umstrittene Projekt als Bundestagspräsidentin gegen den Willen des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl und des damaligen Fraktionschefs Wolfgang Schäuble (alle CDU) im Parlament durchgesetzt.

Die Politikerin erlebte das Projekt zu allen Tageszeiten. „Die Besucher dort waren in Stille schauende, nachdenkliche, staunende Menschen. Es brachte viele Fremde und Einheimische nach Berlin und war also zugleich auch ein kultureller Austausch vor Ort.“ Am schönsten sei der Reichstagsrasen gewesen, auf dem die Menschen lagen und sahen, wie dieses Kunstwerk als Parlamentsgebäude untätig und doch so wirksam war.“ Und das konnten sie damals ganz ohne Masken und Abstandswahrung tun. Heute dagegen wären Kunstobjekt und Zuschauer gleichermaßen verhüllt – wenn auch letztere nicht von oben bis unten und mit Seilen zugeschnürt. Obwohl – das wäre doch eigentlich die wirkungsvollste Methode gegen weitere Infizierungen.

no/dpa