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Kolumne Unterm Strich: Zwischen Beethoven und Bohlen

Musik : Musik in allen Varianten

Wer sich im Internet auf die Suche nach Filmen über Beethoven begibt, wird rasch fündig. Ziemlich oben steht eine Kassette mit sechs DVDs, in der sich etwa auch der Film „Beethovens großer Durchbruch“ befindet.

Wer nun allerdings glaubt, dass damit des Musikers 5. oder 9. Sinfonie einer näheren Betrachtung unterzogen werden, sieht sich schnell getäuscht, denn die übrigen Filme in der Kollektion tragen Titel wie „Ein Hund namens Beethoven“ oder „Beethoven – Doppelt bellt besser“. Irgendwie passt das nicht zu dem auf Skulpturen meist finster blickenden Bonner. Bei tieferer Recherche ergibt sich dann ein noch traurigeres Bild: der berühmteste deutsche Komponist aller Zeiten ist kinematografisch bislang nur in äußerst fragwürdigen Filmen gewürdigt worden. 1984 verzettelte sich Wolfgang Reichmann als fast tauber Komponist zwischen „Genie und Wahnsinn“, und die Amerikaner vergriffen sich zweimal an dem Musiker („Ludwig van B. – Meine unsterbliche Geliebte“ mit Gary Oldman, 1995, und „Klang der Stille“ mit Ed Harris, 2007.) „Ludwig van Beethoven – eine deutsche Legende“ war 1949 mit Ewald Balser in der Hauptrolle zumindest ein Beweis dafür, dass es trotz allem noch „anständige“ Deutsche gab (also eine Art Durchhaltefilm gegen Nachkriegsdepressionen). Natürlich haben auch die Österreicher, die den Bonner bis heute gern für einen ihrer Landsmänner ausgeben, ihr Scherflein beigetragen. Bis zur Unsterblichkeit hat es allerdings „Der Märtyrer seines Herzens“ nicht gebracht; vielleicht lag es daran, dass es ein Stummfilm war, was bei Musikerbiografien von vornherein ein gewisses Handicap darstellt. Immerhin schlüpfte 1917 in der österreichisch-ungarischen Produktion Fritz Kortner in die Rolle des Komponisten. Jetzt versucht es die ARD noch einmal in Bild und Ton. Zum Beethovenjahr 2020 soll sich ein Spielfilm dem Manne gleich drei Mal nähern: als musikalisches Wunderkind, als junger Rebell und als gehörloser und einsamer Mann. Klingt ziemlich umfassend. Für die Rolle des „Louis van Beethoven“, dessen 250. Geburtstag im kommenden Jahr ansteht, sind – je nach Lebensphase – neben dem Jungpianisten Colin Pütz auch Anselm Bresgott und Tobias Moretti vorgesehen; Niki Stein führt Regie. Wir werden sehen, ob da der „Freude schöner Götterfunken“ zündet. Ehe sich jetzt alle darüber aufregen, dass die Kosten für das Berliner Humboldt-Forum um 49,2 Millionen auf 644,2 Millionen Euro steigen werden, schauen wir doch mal nach Stuttgart: Dort soll die Oper saniert werden, und zwar für eine schlappe Milliarde Euro. (Das ist immer noch ein Klacks verglichen mit dem Fass ohne Boden namens „Stuttgart 21“; für den Bahnhof muss gut acht Mal so viel geblecht werden – und das nur, damit man so schnell wie möglich aus der Stadt rauskommt.) Eigentlich sollten wir ja – gerade auf dieser Seite der Zeitung – darüber jubeln, dass unseren Politikern die Kultur so viel wert ist. In die ist es immer noch besser investiert als in … nun, ehe wir uns jetzt auf ganz dünnes Eis bewegen, wechseln wir lieber das Thema und bieten zum Schluss eine gute Nachricht.

Dieter Bohlen hat die für 2020 angekündigten Zusatzkonzerte seiner im Sommer gestarteten Tournee abgesagt. „Ich hatte in diesem Jahr einfach keine Zeit mehr, Dinge zu tun, die mir sehr am Herzen liegen. Ich möchte mehr Zeit für meine Familie haben“, erklärte der Sänger und Castingshow-Juror. Das ist eine ausgezeichnete Idee. 2020 werde es lediglich zwei Auftritte geben.

Der 65-Jährige, der in Tötensen im niedersächsischen Landkreis Harburg lebt, will seine Tour 2021 fortsetzen. Muss aber nicht sein. Die Familie geht schließlich vor …

 Die beiden Herren verbindet mehr als man denkt: ihr Nachname beginnt jeweils mit „B“ – und sie tauchen beide in dieser Kolumne auf.
Die beiden Herren verbindet mehr als man denkt: ihr Nachname beginnt jeweils mit „B“ – und sie tauchen beide in dieser Kolumne auf. Foto: picture alliance / dpa/dpa
 ARCHIV - 18.09.2018, Schleswig-Holstein, Wentorf bei Hamburg: Dieter Bohlen, Musikproduzent, präsentiert in einem Möbelhaus seine Werbekampagne "Von Bohlen empfohlen" und sitzt auf einem Sofa. Bei der 12. Verleihung der Goldenen Blogger sind einige Prominente im Rennen, darunter Dieter Bohlen. (zu "Alexander Gerst und Dieter Bohlen für Goldenen Blogger nominiert" vom 27.01.2019) Foto: Daniel Bockwoldt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
ARCHIV - 18.09.2018, Schleswig-Holstein, Wentorf bei Hamburg: Dieter Bohlen, Musikproduzent, präsentiert in einem Möbelhaus seine Werbekampagne "Von Bohlen empfohlen" und sitzt auf einem Sofa. Bei der 12. Verleihung der Goldenen Blogger sind einige Prominente im Rennen, darunter Dieter Bohlen. (zu "Alexander Gerst und Dieter Bohlen für Goldenen Blogger nominiert" vom 27.01.2019) Foto: Daniel Bockwoldt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Foto: dpa/Daniel Bockwoldt

no/dpa