KOLUMNE

Da haben Sie ja abgeräumt. Aber richtig. 36,7 Millionen Euro. Eine Summe, die man auf Anhieb gar nicht begreifen kann. Gestern Abend hat ein Banker in den Tagesthemen gesagt, wenn Sie Ihre Kohle ganz konventionell und risikofrei anlegen, dass Sie dann allein von den Zinsen jeden Tag 3000 Euro reicher werden.

Da hab' ich erst kapiert, was 36 Millionen sind. Wissen Sie, warum ich Ihnen das Geld so richtig gönne: Weil Sie gerade mal 9,50 Euro eingesetzt haben. Kein Systemtipper mit todsicherer Kombination, keiner, der das halbe Kindergeld zur Annahmestelle trägt. Einfach probiert und einen Volltreffer gelandet. So gehört sich das. Wenigstens einer von den vielen Millionen, bei dem sich der Traum vom großen Geld realisiert, das sich durch anständige Arbeit nie verdienen ließe. Apropos Arbeit: Sie haben sich gestern mit dem Mann von der Lotto-Gesellschaft verabredet, aber erst nach Dienstschluss. Dafür müssten Ihnen Herr Köhler und Frau Merkel das Bundesverdienstkreuz umhängen. Zig Millionen gewonnen, aber die Arbeit wird erst fertig gemacht: Wenn das kein Vorbild ist für die Spaßgesellschaft, in der die Radiomoderatoren schon montags anfangen, ihren Hörern die Tage bis zum Wochenende vorzuzählen. Ich wünsche Ihnen, dass die Aasgeier Sie nicht zu schnell finden. Aber glauben tue ich daran nicht. Wie viele 41-jährige Krankenpfleger mag es in Nordrhein-Westfalen geben? 500? 1000? Wer immer in diesem Job tätig ist und im passenden Alter, steht ab sofort unter genauer Beobachtung der Kollegen. Und irgendeiner wird es schon an Brisant, Bild oder Explosiv melden, für ein paar Euro. Dann wird's schwierig, auch für ihre drei Kinder. Mal sehen, was von Ihrem alten Leben übrig bleibt. Da fragt man sich überhaupt, ob es wirklich so schön ist, Multimillionär zu sein. - Was? Das ist ein ähnliches Argument wie jenes von dem Fuchs, dem die Trauben zu hoch hängen? Ehrlich gesagt: Stimmt. Wenn ich die Mios gewonnen hätte, würde ich dem Geldboten die Tür auch nicht vor der Nase zuhauen. Aber ich spiele kein Lotto.Dieter Lintz