KOLUMNE

Respekt! Sie haben es geschafft, ein echter Promi zu werden - trotz der Klamotten, die ihr Clan bereits vor 60 Jahren auf Moskauer Flohmärkten besorgt hat. Dieser Stalin-Fummel in Kindergröße - einfach grauenhaft!

Und dann diese Frisur - als hätten Sie, die Füßchen voran, ihre Uran-Zentrifugen persönlich auf Tauglichkeit getestet. Sie verkörpern quasi das Gegenteil von Jet-Set: Da Sie die Flugangst plagt, pflegen Sie im gepanzerten Zug zu verreisen. Falls Sie denn überhaupt verreisen. Verlassen Sie doch einmal Pjöngjang, weiß keiner, wo Sie stecken. Selbst die Chinesen pflegen zu dementieren, dass Sie zu Besuch sind. Sagen wir es offen: Sie sind unbeliebt - zumindest im Ausland. Zuhause heißen Sie "Geliebter Führer", was wohl damit zusammenhängt, dass Sie die Würde der Menschen, besonders die der nordkoreanischen, rigoros verteidigen. Denn wer lässt sich schon gerne beim Verhungern zuschauen? Deshalb achten Sie darauf, dass aus ihrer Heimat weder Fotos noch Fernsehbilder nach außen dringen. Wegen dieser Fürsorge hat sich bislang niemand so recht mit ihrem langweiligen Land beschäftigt. Doch wir alle haben Sie unterschätzt: Wenn Sie auf Shopping-Tour gehen, dann ist das Beste, Exklusivste und Teuerste gerade gut genug: So ein paar dicke Nuklear-Dinger hat halt nicht jeder - da gucken die Nachbarn neidisch. Und wer weiß, vielleicht werden sogar die Amerikaner freundlich zu einem, der so uncool ist wie Sie. Manchmal schafft es eben auch ein kleinwüchsiger Unsympath, im Mittelpunkt zu stehen. Man(n) muss nur was richtig Tolles zum Angeben haben. Und für den Fall, dass böse Buben ihnen ihr Spielzeug wegnehmen wollen: Setzen Sie sich in ihren Weinkeller. Dort sollen, nach Angaben von Überläufern aus ihren Reihen, mehr als 10 000 Flaschen lagern. Atombombensicher.Ralf Jakobs