KOLUMNE

Solange ich denken kann, bewundere ich mutige Leute, die aussichtslose Aufgaben übernehmen. Don Quichotte zum Beispiel, der gegen haushoch überlegene Windmühlen antrat. Buster Keaton, der versuchte, mit bloßen Händen eine Lokomotive zu stoppen.

Oder Butch Cassidy und Sundance Kid, die tollkühnen Revolverhelden, die es mit hundert Scharfschützen aufnahmen - freilich mit tragischem Ausgang. Ganz so schlimm wird es in Berlin nicht werden. Seit die Mauer weg ist, wird gottlob so schnell keiner mehr erschossen. Aber trotzdem haben Sie, lieber Herr Pflüger, mit ihrer CDU-Kandidatur zum Regierenden Bürgermeister alle Chancen, einen Ehrenplatz in der Galerie "Männer auf verlorenem Posten" zu ergattern. Das liegt nicht mal so sehr an Ihnen. Sie sind zwar nicht gerade der geborene Volkstribun und Sympathieträger, aber als Karrieristen und Opportunisten kann Sie wahrlich niemand einstufen - dafür sind Sie zu vielen Würdenträgern Ihrer Partei in den letzten Jahren auf den Schlips getreten. Aber das, was Sie an Ballast in Ihren Spitzenkandidaten-Tornister mitschleppen, würde reichen, um sogar einen wahren Samson zu Boden zu drücken. Die Berliner CDU hat so viele Polit-Leichen im Keller, dass selbst der Abtransport der Asche einen Groß-Container erfordert. Da sind die alten Mafiosi und Betonköpfe aus der Ära Landowsky, dazu die vielen Vorsitzenden mit rasch abgelaufenem Verfallsdatum, gar nicht zu reden von Ihrem Bürgermeister-Kandidaten-Vorgänger, diesem - wie hieß er noch? Ja, richtig: Frank Steffel, der vor vier Jahren als "Kennedy von der Spree" antrat und als Spreewaldgurke endete. Mit denen allen im Gepäck gliche es schon einem Erfolg, wenn Sie die 20-Prozent-Hürde überspringen könnten. Und Sie wären fast der König von Berlin, wenn Sie es schaffen würden, den Platz der CDU als zweitstärkste Partei vor der PDS zu verteidigen. Egal, wie es ausgeht: Schon Ihre Nominierung ist der Ausdruck geradezu metropolitaner Liberalität bei den Hauptstadt-Christdemokraten. Immerhin haben Sie erst kürzlich nach zwei Jahrzehnten Ehe Ihre Gemahlin gegen ein 20 Jahre jüngeres Modell ausgetauscht - so was hätte früher zur sofortigen Exkommunikation geführt. Da haben Joschka und Gerhard die Sitten ganz schön verdorben, selbst in den konservativsten Kreisen.Dieter Lintz