KOLUMNE

Irgendwie kam mir die Sache von Anfang an merkwürdig vor. Ich meine, die Beziehung zwischen Paul und Ihnen. Da war seine liebste Linda, mit der er eine halbe Ewigkeit zusammen gewesen war, gerade mal ein Jahr unter der Erde, schwupp - schon war er mit Ihnen zusammen.

Er war beeindruckt von Ihnen und Ihrem Engagement gegen Landminen und Pelzhandel, von Ihrem Aussehen und Ihrer Willensstärke. Peu à peu haben Sie seinen Verstand ausgeschaltet. Sie wissen ja, wie das geht. Schließlich sind Ihre Verflossenen zahlreich. Bereits Ihren ersten Mann, einen Millionär natürlich, haben Sie verlassen. Ihrem zweiten Verlobten, einem Filmemacher namens Chris Terrill, haben Sie nur Tage vor der Hochzeit "Adieu" gesagt und sind zu Paul übergewechselt, wahrscheinlich weil dessen Bankkonto besser gefüllt war. Denn dass Sie vor allem eine raffinierte Geldschlange sind, hat Paul wohl einfach übersehen, während Sie ihn mit Charme und Schönheit bezirzt haben. Im Gegensatz zu seinen Kindern. Die konnten Sie von Anfang an nicht leiden. Und jetzt machen Sie ihnen noch einmal klar warum: Sie wollen Pauls Millionen, ihr Erbe also. Warum sollten Sie sonst das Trennungs-Angebot von 30 Millionen Pfund, also 44 Millionen Euro, abgelehnt haben, wenn nicht aus reiner Geldgier? Geld war wohl auch ausschlaggebend bei den Porno-Fotos, die plötzlich von Ihnen aufgetaucht sind. O.k., verstehe schon. Sie waren jung und brauchten das Geld. Als ich jung war und Geld brauchte, habe ich im Eiscafé bedient. Reich bin ich davon allerdings nicht geworden, und Publicity hatte ich auch keine, also waren Sie da cleverer. Oder? Die Fotos wurden in einem Buch veröffentlicht unter dem Titel "Sex Games", Sex-Spiele. Doch jetzt werden Sie dafür gesteinigt. Paul will nie etwas davon gewusst haben. Lassen wir das mal so stehen. Auch Ihr künftiger Ex ist schießlich kein Engel. Ihren Platz in der Musikgeschichte haben Sie sich auf jeden Fall gesichert als Ex-Ehefrau eines Ex-Beatles. Positiv wird der Abschnitt über Sie in den Nachschlagewerken aber bestimmt nicht ausfallen. Die Affäre McCartney wird an Ihnen kleben bleiben, dafür wird die britische Regenbogenpresse schon sorgen. Fast könnten Sie mir ja leid tun. Aber nur fast. Denn wenn der Scheidungskrieg irgendwann vorbei ist, sind Sie Millionärin, sitzen auf der Veranda Ihres Strandhauses in Malibu, sehen vielleicht Ihrer Tochter Beatrice beim Spielen zu, während ich immer noch hier sitze, um meine Brötchen zu verdienen. Verona Kerl