KOLUMNE

Die meisten werden Sie ja auf dem Bild vielleicht nicht auf Anhieb kennen. Aber trotzdem sind Sie als Chef des FC St. Pauli seit dem letzten Wochenende der bekannteste Regionalliga-Clubpräsident der deutschen Fußballwelt.

Der skurrilste in Ihrer sonst eher spießigen Zunft sind Sie sowieso schon lange. Bekennender Schwuler, linker Varietee-Künstler, Inhaber eines Cabarets auf der Reeperbahn: Das ist unter Deutschlands braven Fußballfunktionären etwa so exotisch wie ein Transvestit im Vatikan. Entsprechend unkonventionell sind ja auch Ihre Ideen. Als der Verein so gut wie pleite war, verkauften Sie "Retter"-T-Shirts, brachten Gönner dazu, lebenslange Dauerkarten zu erwerben - und natürlich im Voraus zu bezahlen - und holten sogar den FC Bayern zu einem Benefiz-Spiel gegen die Insolvenz. Wie Sie es geschafft haben, Herrn Hoeneß zu erweichen, wird auf ewig Ihr Geheimnis bleiben. Vielleicht hat der eiskalte Uli aber auch einfach wieder mal weiter gedacht als die meisten seiner Kollegen. Von Typen wie Ihnen und Vereinen wie Pauli lebt nämlich das Fußball-Geschäft mindestens genau so sehr wie von den Siegen des FC Bayern. Sie erweitern einfach die Zielgruppe. Von Ihren comedy-reifen Interviews nach dem Bremen-Spiel schwärmten sogar eingefleischte Fußball-Ignorantinnen. Grandios Ihr Auftritt im Sportstudio, auch wenn die neue Moderatorin vor lauter Aufregung Ihre Gag-Vorlagen ("Alle unsere potenziellen Gegner beginnen mit B: Bielefeld, Bayern, Bankfurt") leider nicht bemerkt hat. Im April wird's jetzt so richtig ernst. Sie können sich darauf verlassen: Ich werde Ihnen alle Daumen halten. Aber egal wie das Spiel endet: Ich freue mich jetzt schon auf die Bilder von der Tribüne. Sie, Herr Littmann, am besten mit Ihren Pantoffeln aus der Schmidt-Mitternachts-Show im Dritten, in trauter Gemeinschaft Schulter an Schulter mit Franz Beckenbauer zur einen und Kalle Rummenigge zur anderen Seite. Daneben Uli Hoeneß, vielleicht - das wäre echt ein Traum - begleitet von Ihrer langjährigen Gefährtin Lilo Wanders. Da bräuchte man von mir aus gar nicht mehr so oft aufs Spielfeld zu schalten. Höchstens für die zwei, drei Törchen, die Ihre Jungs dem Oliver Kahn durch die Hosenträger schieben. /-agnDieter Lintz