KOLUMNE

Hip-hip-hooray, Mr. Vice-President. Jetzt haben Sie's all den Islamisten, Kommunisten, Terroristen und sonstigem Gesocks mal so richtig gegeben: Ein bisschen Folter darf schon sein, wenn's um die gute Sache geht - also um die amerikanische.

So ein paar Minuten Untertauchen ins Wasser kann nicht schaden, haben Sie gesagt, schließlich singt der Bösewicht wie ein Vögelchen, wenn Ihre freundlichen Spezialisten von der CIA ihn erstmal halb ersäuft haben. Gut, in Ihrem Land sind so richtig grausame Behandlungsmethoden eigentlich verboten. Aber ein wenig härter anpacken wird man diese finsteren Gestalten ja wohl noch dürfen. Sagen wir mal so: Wenn man den Daumennagel ausreißt, wär's vielleicht etwas brutal, aber so lange man sich auf den kleinen Finger beschränkt… Sie werden das schon richtig regeln, Mr. Cheney, schließlich kennen Sie sich mit Menschrechten aus. Sie haben vor vielen Jahren schon dagegen gestimmt, als der US-Kongress die Freilassung von Nelson Mandela forderte - auch so ein schwarzer Halb-Terrorist, dem irgendwelche Weicheier den Friedensnobelpreis hinterher geworfen haben. Und den Gedenktag für Martin Luther King wollten Sie auch verhindern, für diesen notorischen Lügner und Erfinder der schwarzen Unterschicht, die es doch in Wirklichkeit nie gab. Apropos Geschichten-Erfinder: In diesem Metier sind Sie selbst ja kaum zu überbieten. Immerhin haben Sie die irakischen Massenvernichtungswaffen erfunden, nach denen Ihre Aufklärer nachher dann monatelang vergeblich gesucht haben. Zu rühmen ist auch ihre nachgerade prophetische Weitsicht: Den Irak entlarvten Sie schon längst als "Zentrale des Terrors", bevor Sie und Ihr Präsident ihn tatsächlich in eine solche verwandelt haben. Wovon dann, reiner Zufall, ausgerechnet jene Firma am meisten profitierte, in deren Vorstand Sie lange waren und deren Aktienpaket Sie dann aus Gründen der politischen Hygiene gewinnbringend verkaufen mussten - ein Opfer, dass Sie schweren Herzens brachten. Ach, Mr. Cheney, ich hoffe, Sie finden ab und zu mal Zeit, sich von ihrem entbehrungsreichen und anstrengenden Amt zu erholen. Wie wär's mal mit einem kleinen Urlaub? Zum Beispiel inkognito nach Guantanamo, zu einer Inspektion Ihrer Spezialtruppen. Geht ganz einfach: Sie lassen sich einen langen Bart wachsen, setzen einen Turban auf und stammeln ein paar rachitische Laute am Abfertigungsschalter von American Airlines im JFK-Flughafen. Schon geht's ab auf die Insel, und dann können Sie ja mal testen, wie das so ist mit dem bisschen Wasserfolter. Dieter Lintz