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Komische Tragödien im Sozialamt

Komische Tragödien im Sozialamt

Regelmäßig vermelden die Medien Schicksale von vernachlässigten, verwahrlosten und misshandelten Kindern. Doch nicht die Opfer oder Täter sind die Protagonisten des Theaterstücks "Kaspar Häuser Meer", sondern überforderte Beamte auf dem Sozialamt. Premiere ist am Samstag, 24. April.

Trier. (mehi) Der Kaspar Hauser von heute heißt Kevin, Chantal oder Jacqueline, wird nicht in ein Verlies gesperrt, sondern von seinen Eltern im Plattenbau vernachlässigt und misshandelt. Solche Schicksale beleuchtet Felicia Zeller in ihrem Theaterstück "Kaspar Häuser Meer" nicht in den Wohnungen, lässt weder Täter noch Oper zu Wort kommen, sondern die, die beiden helfen, die solche Schicksale verhindern sollen: Die Beamtinnen im Sozialamt. Dort spielen sich wahre Tragödien ab.

Kollege Björn fällt aus, überlässt seinen überarbeiteten Kolleginnen Barbara (Sabine Brandauer), Anika (Vanessa Daun) und Silvia (Antje-Kristina Härle) 104 "Fälle". Sie rotieren, versuchen, das System am Laufen zu halten. Zellers Text ist ein einziges Rotieren, Amtsdeutsch mischt sich mit Ausflüchten überforderter Eltern. "Ich glaube, das Stück hat einen Subtext, kein Fundament, das es herauszuarbeiten gilt, sondern es ist eine Akkumulation von sich verselbstständigender Sprachwut", sagt Franziska Marie Gramss, die das Stück, eine Auftragsarbeit für das Theater Freiburg und Publikumspreisträger der Mülheimer Theatertage, für das Trierer Theater inszeniert. Eine Handlung im engeren Sinne existiere nicht, weil das Stück keine Entwicklung habe, sondern lediglich einen Zustand beschreibe.

Dieser Zustand der völligen Selbstentfremdung von der Gesellschaft sei in vielen Berufsgruppen anzutreffen. "Das Thema Sozialarbeiter interessiert nicht, es hätte auch ein Automechaniker sein können", sagt die Berliner Regisseurin. "Dieser Zustand ist sowohl ein tragischer als auch ein komischer in seiner Äußerung, weshalb ich das Stück als Komödie ansehe."

Gramss versucht, der Sprachwut des Stücks Herr zu werden, eine Geschichte, eine Entwicklung entstehen zu lassen. Für die 28-Jährige ist es die erste Arbeit am Trierer Theater. Kurz bevor Intendant Gerhard Weber sie angefragt habe, habe sie Zellers Stück gelesen.

"Kaspar Häuser Meer" im Theater Trier, Premiere am Samstag, 24. April, Vorstellungen am 29. April, 6., 14., 23. Mai, 6., 11., 16. Juni, jeweils 20 Uhr im Studio; Übernahme in die Spielzeit 2010/2011. Karten in den TV-Service-Centern Trier, Wittlich, Bitburg und unter der TV-Tickethotline 0651/7199-996.