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Komisches, Klassik und Krimis - Da dürfte für jeden Geschmack was dabei sein

Komisches, Klassik und Krimis - Da dürfte für jeden Geschmack was dabei sein

Mozart, Bach und Brecht gemixt mit Eifelkrimis, rasanten Komödien und Uraufführungen: Der neue Spielplan will allen was bieten. Das Theater Trier will damit wieder mehr Zuschauer locken.

Die Extravaganzen der Ära Sibelius sind Vergangenheit. Zur Präsentation des Spielplans gibt es diesmal weder eine Führung durch die verschlungenen Gänge hinter den Kulissen des Theaters noch Häppchen im verspiegelten Tanzsaal. Das Führungsteam hat ganz einfach ins Foyer geladen, um zu präsentieren, wie das Haus sein verlorenes Publikum zurückgewinnen will - ohne diejenigen zu vergraulen, die mit Sibelius' Neuerungen glücklich waren. Keine leichte Aufgabe.

Zumal die finanziellen Schwierigkeiten noch nachwirken und jede Sparte auf mindestens eine Produktion verzichten muss. Weniger Premieren bedeutet weniger Proben auf der Hauptbühne, die deshalb öfter bespielt werden kann. Unter anderem wurde die geplante Fortsetzung des Bürgertheaterstücks "Marx 1" gestrichen, ebenso eine geplante Marx-Oper.

Die größten Veränderungen gibt es in der Schauspielsparte. Diese bekommt mit Caroline Stolz nicht nur eine neue Spartenleiterin, sondern auch einen neuen Chefdramaturgen - Alexander May - und jede Menge neue Schauspieler. Vom aktuellen Ensemble bleiben nur Barbara Ullmann und Klaus-Michael Nix. Sieben neue Ensemblemitglieder wurden für ein Jahr fest eingestellt - anders als man vermuten könnte, sind darunter weder bekannte Trierer Gesichter noch Kollegen, die Stolz und May aus Pforzheim mitbringen. Hinzu kommen vier Gäste und vier Darsteller mit Kurzverträgen. Ausgewählt wurden laut May kraftvolle, lustige Stücke ebenso wie große und ernste Stoffe, die lange nicht in Trier gelaufen sind. Das nächste Weihnachtsmärchen "Das Rätsel der gestohlenen Stimmen" soll bis zu 40 mal gespielt werden und zwar nicht nachmittags (was nicht gut lief), sondern mittags.

Den Spielplan für das Musiktheater hat Generalmusikdirektor Victor Puhl in seiner zehnten und letzten Spielzeit stellvertretend für die seit Dezember erkrankte Operndirektorin Katharina John erstellt. Er arbeitet überwiegend mit dem eigenen Ensemble, sodass man teure Gäste spart. Puhls Ziel ist es, das Publikum mit vertrauten Komponisten und Titeln zurückzuholen. Dazu beitragen soll auch, dass es diesmal mehr seiner beliebten Konzerte zu hören gibt.
Im Tanz werden mehrere Uraufführungen zu sehen sein. Auf die Frage, ob Tanztheater für die Trierer nicht zu abstrakt und unverständlich sei, sagt Choreographin Susanne Linke: "Es soll nicht durch die Birne, sondern in den Bauch und ins Herz gehen". Also, Vorhang auf:

Schauspiel
Die Dreigroschenoper, Schauspiel von Bertolt Brecht mit Musik von Kurt Weill, Regie und Choreographie: Goldfarb und Goldfarb, musikalische Leitung: Malte Kühn, Premiere: 30. September 2017, Großes Haus
Hinter der Fassade (Die Kehrseite der Medaille), Komödie von Florian Zeller, Regie: Caroline Stolz, , Premiere: 13. Oktober 2017, Studio
Das Rätsel der gestohlenen Stimmen, das diesjährige Weihnachtsmärchen, von Sir Alan Ayckbourn, Regie: Matthias Kaschig, Premiere: 19. November 2017, Großes Haus
Patricks Trick, Jugendstück von Kristo agor, Regie: Philipp Moschitz, Premiere: 6. Januar 2018, Studio
Don Carlos, Schauspiel von Friedrich Schiller, Regie: Alexander May, Premiere: 13. Januar 2018, Großes Haus
Cash - Und ewig rauschen die Gelder (Cash on Delivery), Komödie von Michael Cooney, Regie: Caroline Stolz, Premiere: 3. März 2018, Großes Haus
Ewig jung, Schauspiel und Songdrama von Erik Gedeon, Mitarbeit: Peter Jordan, Regie: Tobias Materna, Premiere: 13. April 2018, Kasino am Kornmarkt
Wer hat Angst vor Virginia Woolf? Schauspiel von Edward Albee, Regie: Kathrin Mädler, Premiere: 29. April 2018, Großes Haus
Der Spieler, Uraufführung der Fassung von Boris C. Motzki nach dem Roman von Fjodor M. Dostojewski, Regie, Premiere: 24. Mai 2018, Kasino am Kornmarkt
Brigitte Bordeaux - Aus süßem Wein wird saurer Essig, Uraufführung Von Sergej Gößner, Regie: Alexander May, Premiere: 26. Mai 2018, in diversen Weingütern
Tatort Eifel, Schauspiel von Nora Schüssler, Regie: wechselt (Assistenten/ Schauspieler/Stolz/May), Premiere: verschiedene Folgen ab Oktober 2017, verschiedene Spielorte in Trier

Musiktheater
Les Contes D'Hoffmann, Musiktheater von Jacques Offenbach, Inszenierung: Thilo Reinhardt, musikalische Leitung: GMD Victor Puhl, Premiere: 14. Oktober 2017, Großes Haus
Die Csárdásfürstin, Operette von Emmerich Kálmán, Inszenierung: Wolfgang Dosch, musikalische Leitung: Wouter Padberg, Premiere: 2. Dezember 2017, Großes Haus
Il matrimonio segreto, Musiktheater von Domenico Cimarosa, Inszenierung: Andreas Rosar, musikalische Leitung: Wouter Padberg, Premiere: 3. Februar 2018, Großes Haus
Into the woods, Musical von Stephen Sondheim, Inszenierung: Dean Wilmington, musikalische Leitung: Malte Kühn, Premiere: 24. März 2018, Großes Haus
Krach bei Bach von Rainer Bohm, kleine Oper für den Kinderchor, Premiere: 7. April, 2018, Großes Haus
Die Zauberflöte, Oper von Wolfgang Amadeus Mozart, Inszenierung: Heinz Lukas-Kindermann, Premiere: 20. Mai 2018, Großes Haus
Hedwig and the angry inch, Musiktheater von Stephen Trask, John Cameron Mitchell, musikalische Leitung: Dean Wilmington, Regie: Manuel Schmitt, Premiere: Mai 2018, Kasino am Kornmarkt

Tanz
Hieronymus und der Meister sind auch da, Urauffühung von Susanne Linke, Choreographie und Inszenierung: Susanne Linke
Uraufführung: 28. Oktober 2017, Großes Haus
Clip 2018 und High Performance, Uraufführung/Doppelabend, Clip 2018, Choreographie und Inszenierung: Urs Dietrich, High performance, Choreographie und Inszenierung: Felix Bürkle, Premiere: 20. Januar 2018, Spielort: N.N.
Unruhe (Arbeitstitel), Tanz-Uraufführung, Choreographie und Inszenierung: Hannes Langolf, Premiere: 21. April 2018, Großes Haus
Verlangen, Gemeinsamer Ausflug zum dreiteiligen Tanzabend im Staatstheater Saarbrücken, Choreographien von Jirí Kylián, Stijn Celis, Andonis Foniadakis, 22. Juni 2018, mit Bustransfer ab dem Theater Trier

Konzerte
In der letzten Saison von Generalmusikdirektor Victor Puhl am Trierer Theater wird es wieder die bewährten und beliebten Reihen geben - mit mehr Konzerten als sonst: Sinfoniekonzerte, Weltmusik, eine Matinée, Klassik um Elf sowie Family Classics. Ein ausführlicher Bericht folgt.

Kinder- und Jugendtheater, Bürgertheater
Die dritte Trierer Horrornacht, Schauspiel, Regie: Martin Beyer, Dramaturgie: Marc-Bernhard Gleißner, Premiere: 30. Oktober 2017, Spielort: gesamtes Theater
Grand Guignol Reloaded - horror in the fabric, Schauspiel, Regie: Marie Böffgen, Youri Kim, Alexander Kotz, Ramón Jeronimo Wirtz, Marc-Bernhard Gleißner, Produktionsleitung: Marc-Bernhard Gleißner, Premiere: 30. Oktober 2017, Studio
Jugendclub/Seniorenclub/VHS-Club, Studio, Mai/Juni 2018,
Klassenzimmerstücke, November 2017 und Februar 2018.Meinung

Komisches, Klassik und Krimis - Da dürfte für jeden Geschmack was dabei sein
Foto: Harald_Tittel (g_kultur
Komisches, Klassik und Krimis - Da dürfte für jeden Geschmack was dabei sein
Foto: Daniel Reinhardt (g_kultur

Weniger Premieren, weniger externe Spielorte, weniger Gäste, weniger Experimente, kein teurer Schnick-Schnack. Der neue Spielplan des Trierer Theaters dürfte dafür sorgen, dass die Stadt sich diesmal keine Sorgen machen muss, der Etat könnte zum dritten Mal in Folge überschritten werden. Und das ist essenziell wichtig. Denn nur, wenn die Finanzdebatte beruhigt ist, hat die Kunst eine Chance, endlich wieder in den Vordergrund zu rücken.
Für den Besucher muss all das gar kein Nachteil sein. Zwar gibt es weniger Produktionen, doch können einzelne Stücke so öfter gespielt werden. Das gibt auch Spätstartern eine Chance, sie zu sehen. Zudem bietet der Spielplan unterschiedlichsten Geschmäckern was: Klassisches und Neues, Skurriles und Ernstes, was für den Kopf, was fürs Herz, mehrere Uraufführungen und ein spannendes Weihnachtsmärchen für die Kinder. Da dürfte jeder was Schönes finden.
k.demos@volksfreund.de