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Fernsehen
Ermittelt jetzt in Göttingen: Tatort-Kommissar und Trierer Roland Wolf im Volksfreund-Interview

Der Schauspieler und ­„Tatort“-Kommissar 
Roland Wolf.
Der Schauspieler und ­„Tatort“-Kommissar Roland Wolf. FOTO: STEFFI HENN
Berlin/Trier. Früher beim Max-Tuch-Theater, jetzt Kommissar beim „Tatort“-Fernsehkrimi: Roland Wolf fühlt sich immer noch als Trierer. Von Patricia Fee Prechtel
Patricia Fee Prechtel

Er ist ein erfolgreicher Schauspieler und Synchronsprecher: Roland Wolf – ein Trierer, der mittlerweile in Berlin lebt und bei den ganz großen Produktionen mitwirkt. Im TV-Interview spricht er über Heimat, die Anfänge seiner Schauspielerei, die Zukunft des Fernsehens, große und kleine Produktionen und seine nächste große Rolle im Team des „Tatort“ Göttingen.

Herr Wolf, Sie gehören zum neuen Ermittlerteam des „Tatort“ Göttingen neben Maria Furtwängler und Florence Kasumba. Ist da der Druck sehr hoch?

ROLAND WOLF Vor allem freue ich mich, dabei zu sein und im „Tatort“ mitspielen zu können. In dem neuen „Tatort“ Göttingen geht es darum, dass Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) nach Göttingen strafversetzt wird und sich in einem neuen Team zurechtfinden muss. Mit dabei ist auch Florence Kasumba, eine ganz tolle Schauspielerin. Jetzt ist erst mal eine Folge von „Tatort“ Göttingen geplant und dann sehen wir weiter. Aber allgemein ist der „Tatort“ ja ein großes deutsches Format; und der Tatort Niedersachsen hat eine große Fangemeinde. Die Quote lag zuletzt bei etwa zehn Millionen. Wenn das nun wieder so ist, hilft das natürlich, weitere Folgen zu planen.

Haben Sie sich speziell auf Ihre Rolle vorbereitet?

WOLF Ich habe mal ein Schießtraining gemacht, da ich wollte, dass es so professionell wie möglich aussieht, wenn ich die Waffe in der Hand halte – also so nah wie möglich am Original. Und dazu gehört dann auch, dass man weiß wie schwer so eine Waffe ist, wie man sie richtig lädt, hält und so weiter. Das war vor allem für eine Rolle im „Polizeiruf“ Rostock wichtig, als ich einen Kriminellen gespielt habe. Das sollte gut aussehen. Für diesen „Tatort“ habe ich vor allem zu bestimmten Fragen recherchiert: Wie wird man Kommissar, was verdient man, aber auch; wie lange wir uns in der Gruppe kennen, wie die Dynamik in der Gruppe ist, ob wir Privates oder Geheimnisse voneinander kennen.

Sie haben auch in Werbespots mitgespielt: Wie ist das?

WOLF Werbespots macht man nicht für die Kunst. Da gibt es schon Unterschiede zum Film. Der größte dabei ist, dass man für einen Kunden arbeitet. Und meistens ist der Kunde auch am Set und hat ganz genaue Vorstellungen, wie der Werbespot aussehen soll. Trotzdem arbeitet man natürlich genauso konzentriert wie bei einem Film. Nur erfüllt man eben die Wünsche der Kunden. Und man verdient auch bei Werbung mehr als beim Film oder im Theater.

Werden Sie denn auf der Straße erkannt?

WOLF Ich bin mir nicht ganz sicher (lacht). Manchmal gucken die Leute schon, aber vielleicht sind sie sich auch nicht so ganz sicher, ob ich es bin. Bisher habe ich ja eher in kleinen Rollen gespielt. Aber nachdem ich eine Werbung für Media Markt gemacht hatte, wurde ich schon ein paar Mal angesprochen. Und auch nach der Serie „Babylon Berlin“.

Babylon Berlin war ja eine Produktion von der ARD und Sky. Das heißt, Sie drehen für Film und Fernsehen, waren aber auch schon bei „Babylon Berlin“ und auch in der Netflix-Produktion „Dark“ zu sehen. Wie kann man sich das Arbeiten für die verschiedenen Formate vorstellen?

WOLF Der Ablauf zu filmen ist genau der gleiche. Das macht keinen Unterschied. Nur: Bei Netflix zum Beispiel steckt eben viel mehr Geld dahinter. Wenn man sich überlegt, wie viele Abonnenten der Bezahldienst hat. Wenn jeder Abonnent weltweit etwa 10 Euro im Monat zahlt, kann man sich ausrechnen, wie viel Geld da eingenommen wird. Die haben Milliarden zur Verfügung, um zu produzieren. Das heißt: Es gibt mehrere Kameras, man kann sich mit dem Dreh mehr Zeit lassen und das ganze Budget ist insgesamt ein anderes. Genauso auch bei der Serie „Babylon Berlin“ von ARD und Sky: Das war bisher die Serie mit dem größten Budget in Deutschland (Die Serie hatte ein Budget von knapp 40 Millionen Euro und ist damit die bislang teuerste deutsche Fernsehproduktion und teuerste nicht englischsprachige Serie. Anm. der Redaktion).

Vor allem bei jungen Leuten geht die Tendenz dahin, dass mehr Bezahlangebote wie Netflix oder Amazon Prime genutzt werden, statt dem Griff zur Fernbedienung. Sehen Sie da ein Problem?

WOLF Das ist eine Entwicklung, auf die sich die Sender einstellen müssen. Immer öfter ist es ja der Fall, dass es das Programm auch online gibt. Und manchmal auch sogar schon, bevor es im Fernsehen ausgestrahlt wird. Zum Beispiel in den Mediatheken der Sender. Ich nutze das auch selbst. Zum Beispiel bei der Serie „Bad Banks“ vom ZDF: Zwei Folgen davon habe ich als Premiere während der Berlinale gesehen und mir dann abends noch weitere Folgen zu Hause in der ZDF-Mediathek angeschaut, weil ich unbedingt wissen wollte, wie es weitergeht (lacht). Und nachdem die Serie online lief, wurde sie wenig später dann auch im Fernsehen ausgestrahlt. Ich denke, heute wird alles Mögliche genutzt. Und jeder kann so seine Nische finden.

Sie spielen auch mit wahren Größen des deutschen Fernsehens vor der Kamera, zum Beispiel mit Iris Berben. Das erste Mal gemeinsam vor der Kamera – sind Sie dann aufgeregt?

WOLF Naja, im ersten Moment ist es schon komisch und ein bisschen aufregend. Aber es sind auch ganz normale und liebe Menschen. Die Aufregung verfliegt ganz schnell wieder, denn man sitzt auch hier in den Pausen zusammen und erzählt miteinander. Es sind ganz normale Kollegen. Und auch bei Galas gewöhnt man sich dran.

Wie kam es dazu, dass Sie auf einmal vor der Kamera gearbeitet haben?

WOLF Das habe ich dem Grips-Theater unter der künstlerischen Leitung von Stefan Fischer-Fels sehr viel zu verdanken. Denn Fischer-Fels holte 2012 Sönke Wortmann ans Haus, um die Komödie „Frau Müller muss weg“ von Lutz Hübner zu inszenieren. In der sechswöchigen Arbeit habe ich Sönke kennengelernt und über die Premiere kam ich zu einer Agentur, die mich vertreten wollte. Sönke Wortmann besetzte mich 2013 dann in seinem Film „Schoßgebete“ und ich sammelte meine ersten Erfahrungen in einer kleinen Rolle als Apotheker.

Haben Sie eine Traumrolle, die Sie gerne mal spielen würden?

WOLF Seit ich in meinem Zivildienst in Trier mit Blinden gearbeitet habe, würde ich gerne mal einen blinden Menschen spielen. Martin Ludwig, mein damaliger Chef, ist eine sehr beeindruckende Persönlichkeit, der mich dazu inspiriert. Das wäre eine Traumrolle. Aber auch die Arbeit zu dem Film „Der süße Brei“ war toll, da wir unglaubliche historische Kostüme hatten. So etwas in der Art wieder, vielleicht. Oder eine britische Produktion, also international drehen, stelle ich mir spannend und herausfordernd vor.

Schauen Sie sich Ihre eigenen Produktionen am Ende an?

WOLF Ja, das muss ich aber auch, um Demovideos von mir selbst zu schneiden. Das ist gar nicht so komisch, man gewöhnt sich dran (lacht).

Was ist Ihre Heimat?

Meine Heimat ist in Trier, weil ich hier geboren wurde.

Die Fragen stellte Patricia Prechtel