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Kultur: Komponieren ganz aus der Nähe

Kultur : Komponieren ganz aus der Nähe

Das „Jugend Ensemble Neue Musik Rheinland-Pfalz/Saar“ ist mit vier Auftragswerken in der Trierer Tuchfabrik aufgetreten.

Die Idee ist gut, und das Konzept stimmt. Was liegt näher, als ehemaligen Mitgliedern des „Jugendensembles Neue Musik in Rheinland-Pfalz/Saar“ Kompositionsaufträge zu geben? So erhielten Adrian Nagel und Franz Ferdinand August Rieks, Katharina Roth und Markus Radke die Gelegenheit, beim Komponieren gleich mehrerer Aufführung sicher zu sein. Und das rund 15-köpfige, aus Schülern bestehende Ensemble hatte mit Musik zu tun, die den Mitgliedern schon aus persönlichen Gründen deutlich näher steht als jede Komposition sonst.

Solo-Sängerin Katharina Eufinger glänzte zudem im atonalen Umfeld mit stupender Sicherheit und Präsenz. Und Gerhard Müller-Hornbach leitete das Ensemble äußerst präsent und mit präzisem Schlag. Vom Komponieren und Interpretieren aus persönlicher Nähe profitierten alle: Komponistin und Komponisten, das Ensemble und auch die leider wenigen Zuhörer in der Trierer Tufa.

Experimentell und durchweg atonal – das verband die vier Kompositionen des Abends. Im Detail unterschieden sie sich beträchtlich. Jeder der drei Komponisten und auch die Komponistin setzten für ihre Musik eigene Schwerpunkte. Adrian Nagel verbindet in „Ausstellung“ liegende Klänge und akustische Einsprengsel in sorgfältig aufeinander abgestimmten Klangfarben zu einem geradezu pointillistischen Resultat. Katharina Roth macht in „Folgen folgen“ Sprachklänge und Sprachgeräusche zur Basis einer Komposition von rituellem Gleichmaß. „con text“ von Markus Radke bewegt sich in der Zone zwischen archaischen Naturlauten und sinntragender Sprache und steigert Kontraste und Übergänge zwischen beiden Polen zu fast militärischer Drastik. Als Glanzstück erwies sich „Laufen durch tote und lebendige Zeit“ von Franz Ferdinand August Rieks. Ein Werk aus Klangflächen und Klangblöcken teils mit mittelalterlichen Quintklängen, dabei von großem melodischem Einfallsreichtum und erstaunlicher Sicherheit in Klanggestaltung und kompositorischer Behandlung des Ensembles. Mit Nadezda Filippova saß zudem eine exzellente Pianistin am Flügel.

Komponisten aus der Trierer Region waren an dem Abend in der Tufa nicht dabei.

Aber eine Verbindung zu Trier gab es dennoch: Walter Reiter, künstlerischer Leiter des Jugendensembles, wuchs in Trier auf und sammelte erste künstlerische Erfahrungen in der „Arbeitsgemeinschaft für Neue Musik“ (AgneM) von Klaus Risch, dem Musikpädagogen am Auguste-Victoria Gymnasium. „Ich bin durch Klaus Risch zur Neuen Musik gekommen“, sagt Reiter.