Kompromisslose Intensität: Van Baerle Trio im Kurfürstlichen Palais

Kompromisslose Intensität: Van Baerle Trio im Kurfürstlichen Palais

So zufrieden, ja, so beglückt gehen Besucher selten aus einem Konzert. Dem Van Baerle Trio gelang im Kurfürstlichen Palais Trier bei Haydn, Ives und Mendelssohn ein Musizieren von kompromissloser Intensität.

Trier. In den ersten Takten schaut Arnold Schönberg um die Ecke, dann vertieft sich die Musik in spätromantische Kantilenen, greift amerikanische Songs auf und steigert sich am Ende zu bedrängender, beinahe verstörender Energie.
Charles Ives hat mit seinem Klaviertrio ein Werk geschrieben, das die Tradition zugleich reflektiert und zu ihr Distanz bezieht. Diese Musik ahmt nicht nach, sie ist ganz neu. Ives\' starke Komponistenpersönlichkeit verbindet divergierende Stile, macht die Vielfalt zur Einheit.
Mit Ernst und Schärfe


Und dann das Van Baerle Trio. Die niederländischen Musiker lassen sich auf vorherrschende Ives-Klischees nicht ein. Nichts klingt bei ihnen spielerisch provokant oder populistisch leger. Dieses Musizieren hat Ernst, Deutlichkeit und Schärfe. Und dabei gewinnt die für Interpreten wie Hörer heikle Komposition eine völlig unerwartete Größe und Kraft.
Es war die kompromisslose Hingabe der Interpreten an die Musik, die dieses eindringliche Konzert prägte. In Haydns spätem Londoner Klaviertrio Nr. 44 entdeckten sie hellhörig die zahlreichen Farbwerte und Farbwechsel. Wie viele Nuancen klingen mit, wenn die fülligen Streicher dem hell tönenden Klavier etwas von ihrer eigenen Klangsprache mitgeben, wenn sie Harmonien festhalten, die das Klavier nur umspielt! Es war eine Wiedergutmachung an Haydns völlig unterschätzte Klaviertrios.
Leidenschaftlich und dicht


Eine Wiedergutmachung braucht auch Mendelssohns c-Moll-Trio, und dem Van Baerle Trio gelang sie. Es war kein gefälliger Mendelssohn, der hier dargeboten wurde, keine Musik, die mit ein paar Moll-Akkorden die innere Unverbindlichkeit tarnt. Die Komposition klingt bei diesen Interpreten völlig anders - dicht, leidenschaftlich expressiv, frei von allem Biedermeierlichen und mit einer enormen Spannweite zwischen Geisterhaft-Zwielichtigem, Kantabel-Ausdrucksvollem und hymnischem Überschwang.
Faszinierend zu verfolgen, wie den Van Baerles der Übergang vom düsteren Anfang zum befreienden Hauptthema gelingt - oder zu erleben, mit welcher Sensibilität sie im langsamen Satz dem 9/8-Takt etwas sacht Beschwingtes mitgeben. Das Choralzitat im Finale kam völlig ohne frömmelnden Unterton aus.
Nicht Stimmung stand im Mittelpunkt, sondern musikalische Intensität. Die knapp 200 Besucher waren tief beeindruckt. mö

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