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Kontinent der Gegensätze

Daun. Erneut volles Haus beim Eifel-Literatur-Festival im Forum Daun: ZDF-Nachrichtensprecherin Marietta Slomka hat 540 Gäste auf ihre Reise quer durch Afrika mitgenommen - und neugierig gemacht auf diesen Kontinent voller Gegensätze. Mario Hübner

Daun. Mehrfach hat Nachrichtenfrau Marietta Slomka Afrika bereist, war inzwischen in neun Ländern des Schwarzen Kontinents. "Weil ich neugierig war auf diesen Kontinent, der klischee-behaftet ist wie kein anderer", berichtete sie im kleinen Kreis mit acht TV-Lesern, die ein Treffen mit dem prominenten Gast gewonnen hatten.
Zunächst war ihr Antrieb schlicht Reiselust und persönliches Interesse. Doch nach dem ersten Besuch in Südafrika 2003 sei für sie klar gewesen: "Da möchte ich nochmals hin, mehr erfahren und selbst sehen - denn kein Zeuge ist besser als die eigenen Augen", zitierte sie ein altes Sprichwort aus Äthiopien.
Reich und arm zugleich


Da war auch ihr journalistischer Spürsinn geweckt, Hintergründe ans Licht zu bringen, herauszufinden, weshalb Afrika so reich (an atemberaubender Landschaft, riesigen Natur- und Bodenschätzen), und doch so arm ist. Nach ihrer jüngsten Reise im Auftrag des ZDF entstanden so eine Fernsehreportage und ihr Werk "Mein afrikanisches Tagebuch".
Das Buch ist Reisetagebuch (und somit locker zu lesen) und journalistische Reportage. Kriege, Hungersnöte, Aids sind zwar nicht die Schwerpunktthemen, werden aber auch nicht ausgespart. Wie auch, will man ein möglichst realistisches Bild eines Kontinents zeichnen, der in den westlichen Medien hauptsächlich durch Bürgerkrieg (beispielsweise in Angola von 1975 bis 2002), Völkermord (im rheinland-pfälzischen Partnerland Ruanda, wo 1994 bis zu einer Million Menschen niedergemetzelt wurden) sowie unglaublichen Hunger und Leid (hier sei stellvertretend Äthiopien genannt) in Erscheinung tritt.
Blick hinter die Kulissen


Und gerade der Blick hinter die Kulissen macht das Werk lesenswert. Die Zahlen, Daten, Fakten, die die Autorin zu verschwindend geringen Durchschnittslöhnen einerseits und Millionenprofiten andererseits liefert, diese auf den Punkt gebrachten Verdeutlichungen der krassen Gegensätze, sie sind es auch, die die Zuhörer in ihren Bann ziehen.
"Daun ist schon schwierig", sagte denn auch Landrat und Ruanda-Fan Heinz Onnertz in seinem ausführlichen Grußwort in Anspielung an die hiesigen politischen Verhältnisse, "aber Afrika ist noch viel schwieriger".
Oder wie Marietta Slomka mit Verweis auf die gängigen Klischees sagt: "All das stimmt, und stimmt doch nicht." Einfache Antworten gebe es bei Afrika eben nicht. Aber so viel zu entdecken, sagte sie - und ihre in der Tat strahlend blauen Augen leuchteten besonders schön.

Nächste Lesung: Ranga Yogeshwa, Freitag, 21. September, Prüm. Die Veranstaltung ist ausverkauft, es gibt eine Warteliste.