1. Region
  2. Kultur

Kontrapunkt statt Samba

Kontrapunkt statt Samba

Einen Abend, bei dem Künstler und Publikum nur langsam und zögerlich zusammenfanden, bildete das Konzert des "Brazilian Guitar Quartets" bei den Mosel Festwochen. Erwartungen und Gebotenes gingen offensichtlich über weite Strecken auseinander.

Bernkastel-Wehlen. Es ist immer ein Problem, wenn in einem Konzertprogramm der Text eines Managements abgedruckt wird, das selbstverständlich die von ihm vertretenen Künstler möglichst gut verkaufen will. Nicht zuletzt auch deshalb, weil so mancher Konzertbesucher dann mit falschen Vorstellungen eine Veranstaltung besucht. Beim Konzert des Brazilian Guitar Quartet im Rahmen der Mosel Festwochen im Kloster Machern konnte man über weite Strecken genau dies beobachten. Beim Pausenapplaus war in der Tat nichts von "ekstatischen Publikumsreaktionen" zu merken, wie es im Programm abgedruckt war, und von einem "Dream Team" wollte auch niemand reden. Der Abend verlaufe "wenig inspirierend", war in der Pause zu hören, und dabei handelte es sich noch um eine freundliche Version dessen, was etliche Konzertbesucher vom bis dahin Gehörten hielten.Zweifellos: das Konzert krankte. Zumindest in der ersten Hälfte mochten Künstler und Publikum nicht recht zusammenfinden, gingen die Erwartungen recht deutlich auseinander. Vor der Bühne wurde Rassiges, Feuriges und Temperamentvolles erwartet, auf der Bühne wurde Introvertiertes, kontrapunktisch hoch Kompliziertes, Filigranes und Lyrisches geboten. Etwa bei der Auswahl aus Isaac Albéniz`' Iberia Suite oder vielleicht noch deutlicher bei Heitor Villa-Lobos' "Bachianas Brasileirar Nr. 1". Die Fuge dieses 1930 entstandenen Werkes war nicht zum Fingerschnipsen geeignet, diese Musik ging nicht in die Beine. Es war ein hochkomplexes brillantes Werk, das deutlich belegte, wie sehr sich der Komponist mit den Werken Johann Sebastian Bachs beschäftigt hatte.Auch nach der Pause mochte der Funke der Begeisterung nur sehr langsam und verhalten überspringen. Bei den "Variações Sérias" von Ronaldo Miranda aus dem Jahre 1991 schienen die Choralpartiten von Johann Pachelbel oder Georg Böhm Pate gestanden zu haben. Erst die Serie von Tänzen aus "Danca Negra" von Camargo Guarnieri und Francisco Mignones "Lenda Sertaneja" vermochten dann doch dem Publikum den Applaus abzuringen, den das Ensemble verdient hatte. Denn eines muss festgehalten werden: Die Qualität, mit der das Quartett agierte, war weit mehr als nur beeindruckend. Das klangliche Farbspektrum, das Clemer Andreotti, Tadeu Do Amaral, Everton Gloeden und Luiz Mantovani ihren Instrumenten zu entlocken verstanden, war Legion. Ihr Spiel war geprägt von feinsten Nuancen, von präzisem Miteinander und durchdachter Interpretation. Es war ein großartiger Abend, der ein anderes Brasilien vorstellte, weit ab von heißen Rhythmen und temperamentvoller Atmosphäre.