Musik : Die reiche Welt der Kammermusik

Cellist Julian Steckel und Pianist Joseph Moog brillieren zur Eröffnung des Konz Musik Festivals in Konz-St. Nikolaus als perfektes Duo.

Um Kammermusik ist es in der Trierer Region nicht sonderlich gut bestellt. In aller Regel fristet sie ein eher zufälliges Dasein in den Konzertprogrammen.  Allenfalls die Kammermusikalische Vereinigung Trier und auch der Musikkreis Wittlich bleiben Statthalter dieser einst so beliebten und musikalisch höchst  bedeutenden Gattung.  Aber auch bei ihnen signalisiert die immer weiter zunehmende Zahl der grauen Köpfe im Publikum deutlich: Kammermusik könnte sich auch sozusagen biologisch erledigen.

Und dann treten Cellist Julian Steckel und Pianist Joseph Moog am Freitagabend in der Konzer Pfarrkirche Sankt Nikolaus aufs Podium. Und demonstrieren, dass diese Gattung gar nicht von gestern ist. Dass sie zahllose Architekturen aufbaut, Assoziationen weckt, Gefühle anklingen lässt. Dass sie den Hörer in eine andere, zugleich dramatische und intime Welt versetzen kann. Steckel und Moos hatten auf die übliche Zweiteilung des Programms verzichtet. Sie hatten sich ohne Pause auf zwei der ganz großen Kammermusikwerke konzentriert. Beethovens Cellosonate op. 69 und die e-Moll-Sonate op. 38 von Johannes Brahms sind zentrale Werke der klassisch-romantischen Epoche, der kammermusikalischen Blütezeit.

Steckel und Moog wissen das und setzen ihr Werkverständnis um in kompromisslose Ausdruckskraft. Jeder musiziert mit einer Energie, Präsenz und Brillanz, als wäre er Solist. Aber das Erstaunliche ist: Sie fügen sich mehr und mehr zu einem Ensemble, einem echten, ausgewogenen Duo. Und sie lassen sich ganz ein auf die Tonsprache Beethovens mit ihren Überraschungen und ihren unvermittelt aufklingenden Schönheiten. Das Adagio cantabile in der Mitte der Beethoven-Sonate, von dem in der Schwebe bleibt, ob es nur eine Einleitung ist oder ein selbständiger Satz,  sie musizieren es so liebevoll aus, das es zum emotionalen Zentrum der gesamten Komposition wird. Wie eindrucksvoll hebt sich davon die Brahms-Sonate ab! Aber die Interpreten suchen ihr künstlerisches Heil nicht in eigensinniger Klangfülle. Sie verbinden die Wucht  dieser Komposition mit ihren subtilen Feinheiten, verbinden sinfonische Fülle mit liedhafter Intimität. Es war ein vielschichtiger  Brahms, tänzerisch beschwingt, melancholisch versunken und dann wieder  von ausladender Kraft. Und der abschließenden Fuge, die thematisch mit Bachs „Kunst der Fuge“ verwandt ist, geben sie eine wirbelnde Virtuosität mit, wie man sie nur selten erlebt.

Das auf 150 Besucher begrenzte Publikum lauschte wie gebannt. Und die Spannung, die sich im Konzert aufbaute, entlud sich am Ende in heller Begeisterung. Vielleicht hatte fast jeder unter den Zuhörern gespürt, welche Bedeutung diesen Kompositionen zukommt. Wenn es gelänge, Kammermusik in den Mittelpunkt des Konzer Festivals zu stellen, wäre das für das Musikleben der Region ein  enormer Gewinn. ­– Übrigens: Joseph Moog spielte auf einem brandneuen Steinway-Flügel. Er war für die aktuellen und künftigen Kulturveranstaltungen in Konz angeschafft worden und finanziert sich überwiegend aus Spenden.

Weitere Konzerte: 11. September, 19 Uhr, St. Nikolaus: Joseph Moog spielt Beethoven – unter anderem die „Pastorale“ in der Klavierfassung von Franz Liszt. 13.  September, 17 Uhr Parkdeck Kaufland Konz: Charles-Reinhardt-Quartett mit Django Heinrich Reinhardt als Gast