Musik : Düsterer Teufelstanz und himmlische Harmonie

Joseph Moog und Christian Schmitt mit der ungewöhnlichen Kombination Klavier und Orgel

Sie sitzen in der Pfarrkirche St. Nikolaus am Samstag deutlich weiter auseinander als die Vorschriften gebieten: Rainer Moog am Steinway vor dem abgedeckten Altar und Christian Schmitt am Spieltisch der Gaida-Orgel. Beide haben sich auf ein ungewöhnliches Projekt eingelassen. Sie bringen zusammen, was scheinbar gar nicht zusammengehört: den Klavierton mit seinen durchweg weltlichen Assoziationen und die Orgel mit ihrer sakralen Klangfülle. Und das Erstaunliche geschieht. Orgel und Klavier harmonieren über weite Strecken erstaunlich gut – besser jedenfalls, als man es angesichts des akustischen und emotionalen Eigenlebens dieser Instrumente ahnen könnte. Mehr noch: Diese Kombination hat ganz eigene Qualitäten.

Gleich zu Beginn entwickelt Saint-Saens „Danse macabre“ eine erstaunliche Vielstimmigkeit. Die ist niemals diffus. Immer wieder lassen die Interpreten führende Melodien aus dem Klang-Ganzen herauswachsen, geben ihnen neue, leicht diabolische Klangfarben mit, und in manchen Registrierungen klingt auch so etwas an wie eine obskure Kirmesmusik mit leise blasphemischen Untertönen.

Es war ein außergewöhnliches Konzert. Und das auch in Programmpunkten, die für sich gar nicht außergewöhnlich sind. Joseph Moog gibt der berühmten „Pathétique“-Sonate op. 13 ein schlankes, gradliniges Pathos mit. Und Christian Schmitt entfaltet bei Gustav Merkels Beethoven-Variationen eine Energie, die den konventionellen Zuschnitt dieser Komposition vergessen macht.

Vielleicht war César Francks Choral a-Moll noch am wenigsten geeignet für diese Instrumentalkombination. Jedenfalls klingt die Verteilung der komplexen Strukturen bei Franck auf beide Instrumente beliebig und wenig zwingend. Nicht immer gelingt es zudem, die differierenden Klänge beider Instrumente perfekt zu mischen. Aber was sind solche Details gegen die vollstimmige Wucht, die sinfonische Gewalt der Schlusspassage, gegen 150 hellauf begeisterte Zuhörer und dann eine besinnliche, stimmungsvolle Zugabe.